Umweltbüro Lichtenberg

Biologe - ein „grüner Beruf“?

Die Antworten wurden inhaltlich zusammengefasst und gekürzt.

1. Stellen Sie sich bitte kurz vor!
Mein Name ist Beate Kitzmann, ich bin Geschäftsführerin von Naturschutz Berlin-Malchow und arbeite seit über 20 Jahren hier im Verein. Das Studium der Biologie habe ich 1991 abgeschlossen und ich hoffe, dass wir mit den nachfolgenden Fragen klären können, ob die Biologie ein grüner Beruf ist.

Mein beruflicher Werdegang begann mit einem 10-Klassen-Abschluss, den ich zu DDR-Zeiten in der Polytechnischen Oberschule (POS) erworben habe. Es folgten eine Berufsausbildung mit Abitur zur Laborantin sowie das Biologiestudium an der Humboldt-Universität zu Berlin.

2. Wie sieht das Berufsfeld eines Biologen aus?
Der Wunsch Biologie zu studieren ist, glaube ich, in vielen Köpfen enthalten. Meine Ausbildung an der Humboldt-Universität war sehr „laborlastig“, hier war meine vorherige Ausbildung zur Laborantin eine gute Grundlage. Während des Grundstudiums kamen Inhalte zur Tier- und Pflanzensystematik dazu. Den Schwerpunkt meines Biologiestudiums bildete die Molekular- und die Zellbiologie. In meiner Diplomarbeit befasste ich mich mit dem Thema: „Welche lichtabhängigen Prozesse finden in der Photosynthese statt und wie kann man die steuern“. Schon zu dieser Zeit stellte sich mir die Frage, inwieweit der Beruf des Biologen ein „grüner Beruf“ ist.

Nach Beendigung des Studiums hat mich das Leben in die Freilandbiologie geführt, in den grünen Bereich. Bei der Freilandbiologie werden die theoretischen Kenntnisse zur Zoologie und Vegetationskunde in die Praxis umgesetzt. Zu den ersten Aufgaben, die ich im Rahmen meiner Arbeit in der Naturschutzstation ausführen durfte, gehörte zum Beispiel, Amphibien über die Straße zu tragen. In der Kindheit und im eigenen Garten hatte ich mit Amphibien durchaus schon Kontakt, während meines Studiums hatte ich aber keinen Frosch in der Hand. Die Praxis kam bei mir also nach dem Studium. Es folgte das Schreiben von Gutachten zu Pflanzengesellschaften und Biotopbewertung.
Auch heute gehen viele Biologen nach dem Studium in die Molekularbiologie und Gentechnik, die Wenigsten trauen sich raus ins Freiland. Dort gibt es aber aus meiner Sicht den besseren Arbeitsmarkt. Immer weniger Menschen kennen sich mit speziellen Pflanzen- und Tierarten aus. Möchte man aber Natur bewerten, ist genau diese Kenntnis sehr wichtig.
Die Forschung ist ein weiterer Bereich der Biologie. Hier finden auch Freilandversuche statt. Da diese aber unter standardisierten, kontrollierten, messbaren und auswertbaren Bedingungen durchgeführt werden, haben sie wenig mit der eigentlichen Natur zu tun.

3. Wie gestaltet sich Ihr Arbeitstag?
Als Geschäftsführerin von Naturschutz Berlin-Malchow habe ich nun eher selten Zeit für die Freilandbiologie. Neben Untersuchungen zu gebäudebewohnenden Arten halte ich im Rahmen der Umweltbildung Vorträge zu unterschiedlichsten Themen. Mein Ziel ist es, hier den Menschen zu erzählen und zu zeigen, wie schön und komplex die Natur sein kann, wenn man sie denn machen lässt.
Ansonsten sind meine Arbeitsinhalte sehr von Büroarbeit geprägt. Neben dem Schreiben und Lesen von Gutachten müssen bspw. Berichte ausgewertet und finanzielle Mittel beantragt werden.

4. Warum haben Sie sich für den Beruf des Biologen entschieden?
Nach dem Abschluss meiner Ausbildung zur Laborantin wollte ich eigentlich Medizin studieren. Da ich hierfür aber nicht gleich einen Studienplatz bekam, arbeitete ich zur Überbrückung am Institut für Molekularbiologie. Ich stellte fest, dass die Arbeit im Labor nicht das war, was ich eigentlich machen wollte. Aber auch als Mediziner arbeitet man ja eher im kontrollierten, hygienisch standardisierten Bereich. Also habe ich mich für ein Studium der Biologie entschieden.

5. Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit? Was gefällt Ihnen eher nicht?
Die Vielfältigkeit meines Berufes gefällt mir besonders. Zwar muss man sich als Biologe schon spezialisieren, die Herausforderungen im Alltag sind aber immer wieder spannend. Meine Themen sind Amphibien und Streuobst, hier werden mir auch immer wieder Fragen gestellt, die ich mir so noch nie gestellt habe. Immer wieder neue Kenntnisse zu erwerben, Sachen neu zu überdenken und die Perspektiven zu wechseln, macht den Beruf des Biologen sehr interessant. Die sich häufende Büroarbeit und die Akquise von finanziellen Mitteln macht dann etwas weniger Spaß.

Streuobst

6. Welche fachlichen und persönlichen Voraussetzungen sollten mitgebracht werden?
Für den Beruf des Biologen sind keine besonderen Voraussetzungen nötig. Eine gewisse Vorkenntnis der heimischen Flora und Fauna kann hilfreich sein. Letztendlich sollte der zukünftige Biologe Neugier und das Interesse an der Natur mitbringen. Die treibt einen dann dazu, die Zusammenhänge zu verstehen und die natürlichen Prozesse zu verfolgen. Das ist nötig, um richtig in der Biologie anzukommen.

7. Welche Fortbildungsmöglichkeiten gibt es?
Die Fortbildungsmöglichkeiten können, wie auch die Arbeitsaufgaben, sehr vielfältig sein, je nachdem welche Spezialisierungsrichtung man wählt. Ich bezeichne mich immer als Breitbandbiologin, da ich mir Artenkenntnis bei Pflanzen und Tieren angeeignet habe. Für die verschiedensten Spezialisierungen gibt es an Hochschulen und Institutionen wunderbare Kurse, die einem ermöglichen, bestimmte Themenfelder je nach persönlichem Interesse zu vertiefen.

8. Ist bei Ihrer Arbeit eigenverantwortliches Handeln und Kreativität gefragt?
Als Geschäftsführerin ist eigenverantwortliches Handeln auf jeden Fall nötig, in der Biologie kommt man auch immer wieder in die Situation, Entscheidungen zu treffen oder auch Bewertungen vornehmen zu müssen. Bei bestimmten Sachverhalten ist es nötig, Position zu beziehen, sich mit Hilfe des eigenen Hintergrundwissens eine eigene Meinung zu bilden und diese dann auch zu vertreten.

9. Wie hat sich das Berufsfeld des Biologen in den letzten 20 Jahren verändert?
Die Ausbildung hat sich ganz stark in den genetischen Bereich verschoben, da viele davon ausgehen, dass die Gentechnik die Biologie von morgen ist. Wer als Biologe in eine andere Richtung gehen möchte, muss heutzutage schon fast Nischen finden und besetzen.

10. Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten Ihres Berufes ein?
Die Ausbildung zum Biologen wird es auch zukünftig geben. Ich habe die stille Hoffnung, dass es eine Rückbesinnung auf das Natürliche gibt und eben auch auf die Freilandbiologie. Der Artenschutz, der gesetzlich gesichert ist, muss auch zukünftig umgesetzt werden. Dazu brauchen wir Fachleute, die Pflanzen und Tiere bestimmen und die Zusammenhänge in der Natur verstehen können. Die heutigen Gesetze des Artenschutzes und Naturschutzes sind eigentlich ein Grund dafür, der Biologie wieder eine andere Richtung zu geben. Wieder am lebenden Objekt zu arbeiten.

Vielen Dank für das Interview!
Doreen Hantuschke

Impressum

Umweltbüro Lichtenberg
Passower Straße 35
13057 Berlin
Tel:  030-92 90 18 66


Beiträge auch in unserem Onlinemagazin „UmweltBewusst“ unter:

www.umweltbuero-lichtenberg.de/umweltbewusst.html


Präsenzzeiten:

Dienstag:          9 - 12 Uhr
Mittwoch:        14 - 18 Uhr
Donnerstag:    12 - 16 Uhr
und gern auch nach Vereinbarung


Ansprechpartner vor Ort:

Doreen Hantuschke
Elisa Igersheim
Annemarie Jacob
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Das Umweltbüro Lichtenberg wird gefördert durch das Bezirksamt Lichtenberg.


Haftungshinweis:

Die in unseren Seiten enthaltenen Links zu anderen Internetseiten sind grundsätzlich als Hinweise auf das Angebot Dritter zu verstehen; sie dienen lediglich der Information und der Darstellung von Zusammenhängen. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links; für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Alle Rechte vorbehalten:
Die Urheberrechte dieser Internetseite liegen vollständig beim Umweltbüro Lichtenberg.