Umweltbüro Lichtenberg

Mehr Krähen in Berlin?

Wenn wir von Krähen bei uns in der Stadt reden, dann sind meist zwei Arten damit gemeint: Die Elster und die Nebelkrähe. Der Naturschutzbund Berlin (NABU Berlin) berichtet schon längere Zeit über Anfragen bezüglich Krähen und Methoden, sie zu vertreiben. Vermeintlich sinkt das Vorkommen von Singvögeln in der Umgebung. Auch wenn ihre krächzenden Rufe es nicht vermuten lassen, aber auch Krähen gehören zu den Singvögeln.

Der Mensch hat schon lange ein eher schwieriges Verhältnis zu Krähen. Mitteleuropäische Völker verbinden sie mit Unheil und dem Tod. Auch wenn ihnen das heutzutage nicht mehr zugeschrieben wird, wird die Anwesenheit dieser Vögel als eher negativ wahrgenommen.

 

Was richtig beobachtet wird, ist die Zunahme der Brutbestände von Nebelkrähe und Elster in den vergangenen Jahren. In den Randbereichen der Stadt ist davon weniger zu merken, in der Innenstadt ist dieser Prozess noch im Gange. Gleichzeitig nehmen die Zahlen der Krähen auf dem Lande ab. Grund dafür ist die zunehmende Intensivierung der Landnutzung und damit einhergehende Beseitigung, der für die Nestanlage wichtigen Strukturen. Berlin ist umgeben von alten Rieselfeldstrukturen. Mit den dort vorkommenden Wällen und Hecken bieten sie der Elster ideale Niststandorte.

 

Auf dem Speiseplan der Krähen stehen auch Eier und Jungvögel anderer Freibrüter. Jedoch nicht in dem Maße, dass sie für den Rückgang der Singvögel verantwortlich sind. Untersuchungen in der Stadt Ulm haben ergeben, dass das Fressverhalten der Krähenvögel nicht für den Rückgang der Kleinvögel ausschlaggebend ist. Der Bruterfolg der Kleinvögel war nicht schlechter in Gebieten mit hoher Krähendichte als in Gebieten mit geringer Dichte.

Eine entscheidende Rolle, ob eine Krähe zum Nesträuber wird oder nicht, spielt der Mensch. In Gebieten, wo Brutvögel durch die Anwesenheit des Menschen oder vermehrt durch Hunde oder Katzen gestört werden, werden sie zum Nesträuber. Denn sie nutzen die Abwesenheit des Altvogels aus, um das Nest zu plündern. Nester, die häufiger geplündert werden, sind jene, die noch zur unbelaubten Zeit in den Hecken leicht zu entdecken sind. Eine deckungsreichere Umgebung kann hier Abhilfe schaffen.

 

Die höhere Anzahl an Krähen lockt einen natürlichen Gegenspieler zu uns. Mit der Zunahme von Elstern, nimmt auch die Anzahl an Habichten in der Stadt zu. Zusätzlich vertragen sich Elster und Nebelkrähe nicht im gleichen Revier. Daher reguliert sich die Anzahl natürlicherweise. In den meisten Fällen verliert jedoch die unterlegene Elster die Revierkämpfe.

 

Krähenvögel gehören zu den Allesfressern. Die Entsorgung einiger Kadaver sowie biologischen Mülls übernehmen sie, sodass wir uns darum nicht mehr kümmern müssen. Auch die Nester der Krähenvögel kommen vielen anderen Vogelarten zu Gute. Sobald die Jungtiere ausgeflogen sind, nutzen Arten die Nester, die selber keine bauen. Dazu gehören unter anderem der Turmfalke und die Waldohreule. Dies ist ein wichtiger Punkt, der gegen die Entfernung der Nester spricht. Abgesehen davon stehen Krähen, wie alle europäischen Vogelarten, unter Schutz und dazu gehören auch ihre Nester.

 

Gerade im Winterhalbjahr sind mehr Krähen bei uns in der Stadt zu beobachten. Es handelt sich dabei um Saatkrähen und Dohlen, die aus Ost- und Nordeuropa zu uns kommen, um hier zu überwintern. Daher stellen sie keine Bedrohung für unsere heimische Vogelwelt dar, da sie im Frühjahr wieder zurück in ihre Brutgebiete fliegen. Auch die Bestände der als Nahrung in Frage kommenden Freibrüter, wie Amsel und Grünfink, bleiben gleich oder haben sich sogar erhöht. Dies haben Untersuchungen der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft gezeigt. Am Ende darf man nicht vergessen, dass Verluste im Tierreich eingeplant sind, sei es durch Witterungsbedingungen oder Fressfeinde. Auf diese Einflüsse reagieren freibrütende Vogelarten mit einer höheren Nachwuchsrate als für den Erhalt des Bestandes notwendig wäre. Mehrere Jahresbruten sind daher keine Seltenheit. Sollte ein Gelege verloren gehen, z. B an Krähen, wird eine Ersatzbrut durchgeführt.

 

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