Umweltbüro Lichtenberg

Mit grüner Planung zum Erfolg

Lichtenberg wird immer beliebter und die Einwohnerzahl wächst. Damit keine wertvollen Grünflächen für Naturschutz und Erholungswesen verloren gehen, gibt es den Landschaftsrahmenplan für Lichtenberg. Herr Nabrowsky erläutert uns, warum diesem Planungsinstrument eine so hohe Bedeutung zukommt.

 

Ein Interview mit Heinz Nabrowsky, Fachbereichsleiter Naturschutz und Landschaftspflege im Umwelt- und Naturschutzamt Lichtenberg

1) Bitte stellen Sie sich und Ihre Tätigkeit im Umwelt- und Naturschutzamt Lichtenberg vor.
Mein Name ist Heinz Nabrowsky. Ich leite seit 1990 den Fachbereich Naturschutz und Landschaftsplanung für den Bezirk Lichtenberg. Es gibt sehr enge Verzahnungen der beiden Fachbereichsgruppen, die Landschaftsplanung ist die wichtigste Planung für den Naturschutz. Wir haben den Anspruch, für den Bezirk langfristige Zielstellungen festzulegen und diese weitestgehend zu realisieren. Beispiele der praktischen Umsetzungen sind u. a. der Landschaftspark Herzberge oder das Sanierungsprojekt Obersee/Orankesee.

2) Welche Ziele und Inhalte hat ein Landschaftsrahmenplan (LRP)?
Im Jahr 1979 begann sich die Landschaftsplanung in Berlin zu entwickeln. Ziel war und ist es aus naturschutzfachlicher Sicht, die Entwicklung der Grünflächen zu steuern und kleinteilige Maßnahmen festzulegen. Der LRP ist im Berliner Naturschutzgesetz nicht verankert, berlinweit gilt hier das Landschaftsprogramm mit mehreren, jedoch nicht grundstücksscharfen Planteilen. Inhaltlich befasst sich der LRP für Lichtenberg mit Themen wie die Erholungsnutzung, die Flora und Fauna, das Landschaftsbild und der Biotopverbund. Lichtenberg hat nach wie vor ein Defizit an Grünanlagen und die Zahl der Bewohner steigt. Mit dem LRP möchten wir verhindern, dass wertvolle Grünflächen verloren gehen und sicherstellen, dass der vorgesehene Flächennutzungsplan umgesetzt wird.

3) Seit wann gibt es dieses Planungsinstrument in Lichtenberg und wie findet es Anwendung?
Der Gedanke eines LRP für den Bezirk Lichtenberg kam erstmalig 2002/2003 auf. Der erste Beschluss folgte im Jahr 2006, der zweite, welcher derzeit noch abschließend in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beraten wird, im Jahr 2014. Der LRP orientiert sich grundsätzlich am Flächennutzungsplan des Berliner Landschaftsprogramms und richtet sich ausschließlich an die Verwaltung. Er hat unterschiedliche Anlagen und Planteile, die Konfliktpunkte aufzeigen und Maßnahmen zur Beseitigung der Probleme aufführen. Praktische Auswirkungen zeigen sich so z. B. in der Entsiegelung ungenutzter Parkplatzflächen im Grünzug Hönower Weg. Eine am Berl befahrene Kraftfahrzeugstraße verhinderte über Jahre die erfolgreiche Wanderung von Amphibien, nun konnte im Rahmen des LRP nach jahrelangem Bemühen diese Straße für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt werden. Die Tiere können nun ungehindert und mit Hilfe abgesenkter Bordsteine ihren Wanderungen nachgehen. Der LRP findet auch bei der Kontrolle der Stadtplanung im Rahmen von Bebauungsplänen Anwendung. Wir haben meines Erachtens hiermit ein sehr gutes Planungsinstrument geschaffen.

4) Warum hat Lichtenberg als einziger Berliner Bezirk ein solches Freiraum-konzept? Worin liegt die Besonderheit?
Wir haben den LRP aufgrund der dynamischen Entwicklung des Stadtbezirks auf den Weg gebracht. Berlinweit sind wir der einzige Bezirk, der ein solches Konzept in dieser Form umgesetzt hat. Häufig wechselnde Nutzungsarten und nach wie vor große Brachflächen, deren Nutzungen zum Teil noch unklar sind, sind in unserem Bezirk zu finden. Mit dem LRP stärken wir die grüne Infrastruktur, gestalten den Bezirk dadurch attraktiver und für die Bewohner überschaubarer. Andere Bezirke verfolgen teilweise kein klares Konzept. Die Nutzung erfolgt oftmals beliebig und wird von der Politik aus der Tagessituation heraus entschieden. Dem Naturschutz und der Erholungsnutzung kommt das nicht zugute und öffentliche Grünanlagen gehen in Größenordnungen verloren. Das Besondere am LRP für Lichtenberg ist, dass wir auf das Flurstück bezogen arbeiten, einzelne Grundstücke auf den Karten sofort erkennbar sind und der Plan eine sehr hohe Qualität aufweist. Ich denke, die Bezirke werden in Zukunft auf solche Planungsinstrumente zurückgreifen. Vielleicht wird der LRP auch einmal ins Berliner Naturschutzgesetz als Pflichtaufgabe übernommen, und  wenn - dann haben wir hier eine gute Vorarbeit geleistet.

5) Wie trägt der Landschaftsrahmenplan zur Entwicklung bzw. zum Erhalt der bezirklichen Grünflächen bei?
Im LRP werden Flächen des Straßen- und Grünflächenamtes, naturschutzrelevante und für die Unterschutzstellung vorgesehene Bereiche, aber auch Grünflächen des Liegenschaftsfonds gesichert. Wir erhalten mehrmals im Jahr unterschiedliche Nutzungsanfragen, zu denen wir mit Hilfe des LRP klare Aussagen treffen können. In anderen Bezirken herrscht Beliebigkeit und wertvolle Grünflächen gehen oftmals verloren. Auch die Akteure der Politik spielen hier eine wichtige Rolle, in Lichtenberg wurde unseren Aufgaben immer viel Aufmerksamkeit gewidmet.

6) Warum ist der Landschaftsrahmenplan für den Bezirk ein wichtiges naturschutzfachliches Instrument?
Die Belange des Naturschutzes finden im LRP für Lichtenberg hohe Berücksichtigung. So konnten wir für die Fauna sehr viel tun, was ohne den LRP nicht möglich gewesen wäre. Derzeit ist eine Kooperationsvereinbarung mit dem Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Vorbereitung, die den Feldhasenbestand in Lichtenberg untersuchen wird. Die Verdichtung der Stadt ist u. a. für den Feldhasen, einer in Berlin gefährdeten Art, nicht förderlich. Wir versuchen mit Hilfe fachlicher Gutachten bestimmte Grünflächen zu sichern, können jedoch nicht jedes Bauvorhaben verhindern. Im Rahmen des Biotopverbundes leisten wir derzeit Pionierarbeit.

7) Wie viel Zeit nahm die Erstellung des Planes in Anspruch? Wie häufig erfolgt eine Aktualisierung?
Frau Sager, Leiterin der Gruppe Landschaftsplanung, hat die Federführung in diesem Projekt. Der LRP enthält eine Vielzahl an Informationen, die von einzelnen Arbeitsgruppen erarbeitet und aktualisiert wurden. Am ersten LRP haben wir in Zusammenarbeit mit externen Kräften, die in unserem Amt tätig waren, knapp zwei Jahre gearbeitet. Es war ein sehr umfangreiches Werk, die Vergabe der Erstellung an ein Planungsbüro wäre mit sehr hohen Kosten verbunden gewesen. Während der Aktualisierung der ersten Fassung stellten wir fest, dass in der Grundstücksverwaltung noch Defizite bestehen. Gemeinsam mit der Grundstückverwaltung sind wir ein halbes Jahr lang sämtliche Flurstücke durchgegangen. Kartenblatt für Kartenblatt musste stimmen. Diese Arbeit war mit unglaublich viel Zeit und Aufwand verbunden und hat circa 90 Prozent der Arbeit ausgemacht. Für die Fortschreibung haben wir sehr viel Zeit investiert, insgesamt drei Jahre. Aus dem ersten LRP bestehende Mängel haben wir beseitigt. Das Werk ist jetzt wirklich rund und mit über 100 Seiten, etwa 50 Seiten Anlagen und acht Karten ein sehr umfangreiches Planwerk.

8) In den letzten Monaten wurde der Lichtenberger LRP überarbeitet. Wann wird die Fortschreibung veröffentlicht?
Sobald der BVV-Beschluss feststeht, geht der neue Plan in die Öffentlichkeit und ist im Internet (http://www.berlin.de/ba-lichtenberg/freizeit/gruen/gruen006.html) zugänglich). Mit dem LRP für Lichtenberg haben wir ein Planwerk geschaffen mit dem wir für die Herausforderungen einer wachsenden Stadt gut gewappnet sind.

Vielen Dank für das Interview!
Johanna Sabeh, Umweltbüro Lichtenberg

Landschaftsrahmenplan hier zum Download (Stand: 13.06.2006):   Download this file (03 Landschaftsrahmenplan Lichtenberg.pdf)

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