Umweltbüro Lichtenberg

Grüne Berufe – der Winzer (in Berlin)

Der Förderverein „Weingarten Berlin“ e.V. hat sich der besonderen Aufgabe verschrieben, die Tradition des Berliner Weinanbaus wieder aufzunehmen, zu beleben und zu kultivieren. Die sandigen Hügel um Berlin wurden schon in der Vergangenheit für den Weinanbau genutzt. Im Jahr 1999 hat das Amt für Umwelt und Natur 400 Rebstöcke gepflanzt und damit einen offenen Weingarten im Prenzlauer Berg angelegt. Der Förderverein mit seinen 35 internationalen Mitgliedern pflegt die Fläche und produziert einen Wein: den „Berliner Riesling“. Der Vorsitzende des Fördervereins „Weingarten Berlin“ e.V. beantwortet uns heute einige Fragen zum Beruf des Winzers – ein Interview mit Frank Pietsch.

1. In welcher Firma und Fachrichtung sind Sie tätig?
In erster Linie bin ich Rentner, habe aber durch den Vorsitz im Förderverein „Weingarten Berlin“ e.V. selten Zeit. Ich habe eine landwirtschaftliche Ausbildung, bin auch promoviert. Das ist eine gute Grundlage für die Winzerei, da es sich hier auch um die landwirtschaftliche Nutzung einer Fläche handelt.

2. Welche Aufgaben hat ein Winzer?
Der Winzer hat zu jeder Jahreszeit Aufgaben. Der Höhepunkt des Weinjahres ist natürlich die Weinlese, die auf kleinen Flächen und für Qualitätsweine manuell erfolgt. Nach der Weinlese verlagert sich die Arbeit des Winzers in den Weinkeller, hier wird der Wein hergestellt. Bereits im Winter beginnt der Rebschnitt, der bis in den März hinein durchgeführt wird und eine wichtige Voraussetzung für die nächste Ernte ist. Pflege- und Bodenarbeiten ziehen sich bis zur nächsten Weinlese. Das Düngen und Mulchen des Bodens, der Pflanzenschnitt bei beginnender Reife, aber auch mehrere Spritzgänge an den Rebstöcken sind hier nötig. Die Vorbereitung der Weinlese fordert dann eine gute Organisation, da nur Trauben mit dem gewünschten Reifegrad geerntet werden und helfende Hände benötigt werden. Auch der Verkauf des Weines zählt zu den Aufgaben des Winzers.

3. Welche Voraussetzung braucht man für diesen Beruf?
Angehende Winzer müssen mit der Natur zusammen arbeiten, sich für sie verantwortlich fühlen, nur so können nachhaltig Erträge erzielt werden. Disziplin ist eine weitere wichtige Eigenschaft, da die Natur viele Termine vorgibt. Der Winzer muss vielseitig und experimentierfreudig sein, handwerkliche Begabung und Technikkenntnisse sind notwendig, um einen Weinberg selbstständig aufzubauen und zu erhalten. Für den Verkauf des Weines und zur Organisation bestimmter Veranstaltungen sind Managementfähigkeiten und Marketingkenntnisse von Vorteil.
Wegen der Fülle an Aufgaben und der hohen Verantwortung ist als schulische Voraussetzung die Mittlere Reife oder auch ein Abitur wünschenswert.

4. Wie ist der Ausbildungsablauf?
Die Ausbildungszeit zum Winzer beträgt 3 Jahre. Das erste Jahr umfasst die landwirtschaftliche Grundausbildung, die nächsten 2 Jahre werden auf Weingütern absolviert. Ausbildungsinhalte sind hier Traubenerzeugung, Kellerwirtschaft und Vermarktung.

5. Welche Fortbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen gibt es?
Mit der nötigen Praxiserfahrung ist die Weiterbildung zum Meister möglich. Wenige Hochschulen bieten auch ein Universitätsstudium an, zum Beispiel „Weinbau und Oenologie“ in Ludwigshafen und Kaiserslautern.

6. Worin sehen Sie den Umweltbezug in Ihrem Beruf?
Für einen guten Ertrag müssen wir mit der Natur zusammen arbeiten.

7. Was ist toll an diesem Beruf?
Die Naturverbundenheit, das Experimentieren und die Kommunikation mit anderen Menschen. Auch die Arbeitszeit kann man sich im Großen und Ganzen selbstständig einteilen.

8. Was ist nicht so toll an diesem Beruf?
Der Beruf des Winzers ist sehr risikobehaftet. Die klimatischen Bedingungen mancher Jahre können erhebliche Schwankungen beim Ertrag bewirken. Die fehlende Kontinuität  birgt gerade bei neu aufgebauten Weingütern ein finanzielles Risiko. Ältere Weinbetriebe behalten meist eine Reserve für schlechte Erntejahre im Keller.

9. Ist eigenverantwortliches Handeln und Kreativität gefragt?
Immer! Auch bei Genossenschaftswinzern, die aufgrund kleinerer Anbauflächen die Kellerarbeit nicht selber machen. Die Arbeit am Rebstock bleibt und verlangt ein hohes Maß an Kreativität und Verantwortung.

10. Wie viel Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen Sie am PC bzw. draußen?
Das ist schwer einzuschätzen. In einem großen Weingut vergeht etwa ein Drittel der Arbeitszeit mit Kellerarbeit, das zweite Drittel ist für die Arbeit an den Rebstöcken reserviert und die restliche Arbeitszeit wird für Organisation, Marketing und andere Büroarbeit benötigt.

11. Wie ist die Vergütung?
Da muss man unterscheiden zwischen kleinen und großen Weinanbauflächen. Die kleineren Flächen werden oftmals im Nebenerwerb, sozusagen als Hobby betrieben. Hier ist kein großer Gewinn zu erwarten. Größere Weingüter mit eigener Kelterei müssen genau kalkulieren. Mit Direktvermarktung inklusive eigenem Kundenstamm und einem überzeugenden Alleinstellungsmerkmal können gute Gewinne erzielt werden.

12. Wie hat sich ihr Berufsfeld in den letzten Jahren verändert?
Die Kellertechnik hat sich in den letzten 20 Jahren sehr stark entwickelt. Und ermöglicht es, immer bessere und exaktere Methoden der Weinherstellung zu entwickeln. Oft sind es die jungen Winzer, die durch die Ausnutzung dieser technischen Möglichkeiten neue Kreationen anbieten.

13. Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten in Ihrem Beruf ein?
Der Weinanbau ist eines der ältesten Kulturgüter in Europa. Es sind Kulturlandschaften mit z.T. mehr als tausendjähriger Geschichte entstanden. Die Zukunft des Winzers liegt darin, Tradition, Landschaft und Genuss nachhaltig zu vereinen.

14. Würden Sie ihren Beruf weiterempfehlen?
Für verantwortungsbewusste, kommunikative Menschen auf jeden Fall! Und wenn das eigene Weingut auf sich warten lässt: das Wissen des Winzers ist auch in anderen Berufen nutzbar, beispielsweise in der Gastronomie als Sommelier, im Tourismus oder als Händler.

Vielen Dank für das Interview!
Doreen Hantuschke

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