Umweltbüro Lichtenberg

Wenn Böden reden könnten

Wenn mich meine bisherigen Erfahrungen nicht völlig in die Irre führen, hat Boden bei den wenigsten Menschen eine Bedeutung. Ausnahmen sind da die Bauern und Landwirte, die sich beruflich und wirtschaftlich darum Gedanken machen. Ansonsten ist Erde am besten grün, mit einem Rasen – kurzgeschoren natürlich - bedeckt. Nicht umsonst wird die Erde auch gerne umgangssprachlich als Dreck bezeichnet. Und genau dieser Begriff trifft die Bedeutung die guter Boden für die Menschheit hat.

Aber so leicht ist eben nicht, denn beim Nachdenken darüber wird sehr schnell deutlich, dass es ohne Boden kein Land geben würde, keine Pflanzen, Sträucher, Bäume und damit auch keinen Sauerstoff für uns Menschen. Ohne Boden ist kein Leben außerhalb der Gewässer denkbar. Also ist Boden/Erde eine elementare Grundlage unseres Lebens. In der Schulzeit lernen wir alle die Funktionen des Bodens kennen:
- Er ist die Grundlage für unsere Ernährung,
- er ist selbst Lebensraum für die Bodenbewohner,
- er filtert Schadstoffe und kann dadurch bis zu einem gewissen Grad das Grundwasser schützen und
- er speichert Regenwasser und hilft so Überschwemmungen vorzubeugen.
Klingt alles sehr logisch und immer aus der Sichtweise des Menschen bewertet.

Denkt aber jemand an den Wert den Boden hat, wenn 1 bis 5 cm Boden 1.000 Jahre für die Entstehung brauchen?
Und so lange wie Böden für ihre Entstehung brauchen, sind sie auch wertvolle Archive der Natur- und Kulturgeschichte. Böden erzählen Geschichten.

Während Historiker in alten Archiven suchen, um die Geschichte zu erforschen und zu interpretieren, schauen Bodenkundler ins Buch 'Boden'.
Böden besitzen ein hohes „Erinnerungsvermögen“. Einflüsse durch menschliche Eingriffe oder Klimaänderungen werden wie auf einem Tonbandgerät gespeichert. Man braucht nur das nötige Wissen, um die Information abzurufen. Böden „vergessen“ selbst Nutzungen, die über 1000 Jahre zurückliegen, nicht. So zeichnet sich wie hier im Bild der Verlauf der Römerstraße Via Claudia Augusta trotz heutiger landwirtschaftlicher Nutzung in der Luftaufnahme noch deutlich ab.

Boeden_redenBöden sind nicht nur Zeugen vergangener Nutzung, sie speichern auch die Stoffe, die bei der Nutzung in den Boden gelangt sind. Diese Schadstoffe können vom Menschen und der Pflanze aufgenommen werden oder gelangen ins Grundwasser. In der Regel sind sie jedoch nicht "begraben und aus der Welt".

Selbst in 1000 Jahren werden noch Rückstände vorhanden sein, die Aufschluss darüber geben, welche Gegenstände die Menschen in früheren Zeiten verwendet haben und wie die Böden genutzt wurden. Ebenso geben Böden darüber Auskunft, wie Menschen in prähistorischer Zeit gebaut und gewirtschaftet haben.
Je nach Klimabedingungen laufen in Böden unterschiedliche Prozesse ab, die den Boden prägen. Eine tief reichende Verwitterung von Eisen und die Bildung von Hämatit, die zu einer rostroten Färbung des gesamten Bodens führen, ist beispielweise nur unter warm-feuchten Klimabedingungen möglich, wie sie heute in den Tropen vorherrschen. So ist der rote Laterit-Boden im Tagebau 'Eiserne Hose' im Vogelsberg ein wichtiger Zeuge der tropischen Klimabedingungen, die vor ca. 15 Mio. Jahren in dieser Region herrschten.
Und so lande ich nach all diesen Gedanken wieder bei mir im Boden im Garten. Ich stelle fest, dass ich zwar weiß, dass hier ein humoser Mutterboden durch meine Hände rinnt, jedoch weiß ich nichts über die vielen Geschichten, die mir der Boden erzählen könnte und welche Geheimnisse aus vergangenen Tagen im Boden schlummern.
Grund genug darüber nachzudenken, wie zukünftige Generationen mit der immer knapper werdende Ressource Boden umgehen und ob noch ausreichend unversiegelte Flächen für Wiesen und Wälder zur Verfügung stehen werden.

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