Umweltbüro Lichtenberg

Pflanzen der Nacht

Will eine Pflanze am Tage auf sich aufmerksam machen, hat sie es relativ leicht. Meist reicht eine knallige, möglichst charakteristische Farbe oder eine eigenwillige Form aus, um aufzufallen. Angesichts der unüberschaubaren Konkurrenz am Tage geht die Natur geradezu verschwenderisch damit um, als sei die Farbenpracht nicht nur für Insekten gemacht, sondern auch um unser Auge zu erfreuen. Wer sich aber auf ein Leben in der Nacht spezialisiert hat, muss sich schon mehr einfallen lassen.

 

Autorin: Beate Kitzmann, Geschäftsführerin Naturschutz Berlin-Malchow

Nachtblühende Pflanzen verfolgen eine andere Strategie. Kräftiges Grün, Blau, Rot oder Purpur erlöschen bereits in der Dämmerung zusehends. Eher blasse Farbtöne wie Hellblau oder Rosa lassen sich hingegen noch lange erahnen. Wird es aber richtig dunkel, können nachtaktive Pflanzen nur noch mit blassem Gelb, Cremefarbe und vor allem mit strahlendem Weiß punkten. In hellen Mondnächten reflektieren sie spiegelgleich und sogar für unsere schwachen Augen sichtbar das fahle Licht. Um auch bei spärlichem Licht für die Bestäuber möglichst gut erkennbar zu sein, blühen viele Nachtblüher also in hellen Farbtönen.

Auch der Duft bekommt nachts eine weitaus größere Bedeutung. Viele Nachtblüher halten ihre Blüten tagsüber ganz oder halb geschlossen, geben ihren Duft kaum her, als würden sie damit geizen. Erst in der Abenddämmerung, wenn Nachtfalter, nachtaktive Käfer und Schwebfliegen erwachen, gehen sie sehr freigebig damit um. Und da nachtaktive Insekten meist viel besser riechen als sehen, setzen die Pflanzen ihr verführerisches Parfüm sinnesbetörend ein, um die Gunst der Bestäuber zu erringen.

Wie wirkungsvoll das funktioniert, lässt sich gut am „Fledermausbeet“ auf dem Gelände der Naturschutzstation Malchow beobachten. Nein, dort wurden keine Fledermäuse gepflanzt, sondern ausschließlich Pflanzen wie Nachtkerze, weiße Lichtnelke, Wegwarte oder Seifenkraut und Borretsch, die nachtaktive Insekten magisch anziehen. Sind die erst einmal da, braucht man auf Fledermäuse nicht mehr lange zu warten.

Das abendliche Zusammentreffen nachtblühender Pflanzen und ihrer Bestäuber bietet außerdem Gelegenheit für aufschlussreiche Beobachtungen. So wird zum Beispiel deutlich, wie der lange Rüssel von Nachtfaltern beim Bestäubungsvorgang beschaffen sein muss, um in die tiefen Röhrenblüten eindringen zu können. Auch die spezielle Form der Blüten gehört in das komplizierte, aber wirkungsvolle Strategiekonzept der nachtaktiven Pflanzen, um ihre Fortpflanzung und damit ihr Überleben zu gewährleisten.

Quelle:online-media.uni-marburg.de

Ohne Näheres darüber zu wissen, haben die Menschen auch früher die Wirkung der Nachtblüher deutlich wahrgenommen. Manch romantischer Poet wusste die blütenschweren Düfte in dunkler Nacht zu besingen.

 

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