Umweltbüro Lichtenberg

Flächengerechtigkeit

Allgemein gilt, dass Flächen dann gerecht verteilt sind, wenn alle Menschen ihre Wege sicher und selbstständig zurücklegen können, also auch Kinder, Ältere, Menschen mit Beeinträchtigung oder geringem Einkommen. Befasst man sich näher mit der Aufteilung von öffentlichem und gemeinschaftlichem Raum, so kommt das Thema Gerechtigkeit schnell auf. Und auch die Frage, wieviel öffentlicher Straßenraum, dem Abstellen privater PKW kostenfrei zur Verfügung stehen sollte. Ein durchschnittlich genutzter PKW ruht 23 Stunden pro Tag und nur noch jeder dritte Weg wird mit dem Auto zurückgelegt. Dem gegenüber stehen 3 % Verkehrsfläche für Radfahrer und 15 % Wegeanteil, Tendenz steigend! Die „Agentur für clevere Städte“ und Studenten der „Best Sabel Hochschule“ haben 2014 im Rahmen eines Semesterprojektes die Straßen Berlins vermessen. Die hochgerechneten Ergebnisse zeigen, dass 58 % der Berliner Straßen dem Autoverkehr zugeordnet sind. 19 % davon für parkende Autos. Fußwege nehmen 33 % in Anspruch.

Die Flächen für Autos, Fahrräder und Fußgänger in der Stadt sind demnach ungerecht verteilt. Dazu hat die langjährige Verkehrsplanung geführt, bei der der Autoverkehr eindeutig bevorzugt wurde. Dazu gehört auch, dass die Straßenverkehrsordnung sehr autofreundlich formuliert ist. Falsches Parken wird bspw. in vielen Städten als Bagatelldelikt verstanden und nur mit geringen Bußgeldern geahndet. Vollgeparkte Radstreifen sind in Berlin leider keine Seltenheit und das obwohl die Stadt derzeit sechs Mal mehr Fläche für den Straßen- als für den Radverkehr reserviert. Wenn man sich nun vor Augen hält, dass ein durchschnittlicher Parkplatz 12qm groß ist, wird einem schnell klar, wieviel mehr Fläche dem öffentlichen Raum zur Verfügung stehen könnte. Der Verkehrsclub Deutschland hat die Veranstaltungsreihe 12qmKultur ins Leben gerufen, bei der Anwohner und Kulturschaffende dazu aufgerufen werden, auf eben dieser Fläche den Straßenraum wieder zu einem Ort der Begegnung und Kommunikation zu machen. Wo früher öffentliches Leben stattfand, stehen heute zahllose Autos in Reihe und nehmen den stetig knapper werdenden Raum in Anspruch.

Berlin will den Radverkehrsanteil bis 2025 auf 20 % steigern. Um dieses Ziel und die Ansprüche an eine Flächengerechtigkeit erreichen zu können, müssten die vorhandenen Radverkehrsflächen um über 600 % ausgebaut werden. Platz dafür gäbe es genug, denn 95 % aller Straßen wären breit genug für mindestens einen Radstreifen. Dabei ist nicht nur die Länge der Flächen entscheidend. Vielmehr braucht es eine Mindestbreite. Denn wünschenswert wäre es, alle Menschen zu motivieren, auf das Rad zusteigen. Auch die, die sich momentan noch nicht trauen. Das kann nur erreicht werden, indem es jedem Radler ermöglicht wird, sich sicher zu fühlen und mit ausreichend Abstand zu überholen bzw. überholt zu werden. Die gesetzlich festgelegten 1,50 Meter sind derzeit an vielen Orten noch Wunschvorstellungen.

Die sichere Nutzung alternativer Verkehrsmittel, der Ausbau der Fuß- und Radwege und ein verlässlicher öffentlicher Personennahverkehr in Kombination mit Car-Sharing Angeboten sind wichtig. Nur so kann der individuelle Autoverkehr reduziert werden. Dabei darf die Entscheidungsfindung nicht an komplizierten bürokratischen Prozessen aufgehalten werden. Nur durch kluge Parkraumpolitik wird es gelingen den öffentlichen Raum wieder wertvoll zu machen. Aus Gründen der Fairness und Lebensqualität, verkehrs- und klimapolitisch ist es allerhöchste Zeit die Stadt wieder als lebenswerten Ort für Menschen zu gestalten. Denn wenn der Radweg an der Bezirksgrenze endet, ist nicht allzu viel gewonnen.

 

 

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