Umweltbüro Lichtenberg

Alltag ohne Hindernisse

Jeder, der schon einmal einen Rollstuhl geschoben hat, weiß, wie schwer unebene Fußwege, Stufen, Bordsteine und selbst leichte Schrägen zu bewältigen sind. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Rollstuhlfahrer oft unsicher fühlt oder auch Schmerzen hat. Automatisch bekommt man einen anderen Blick dafür, wo sich Hindernisse oder Erschwernisse im Alltag behinderter Menschen befinden.

Nicht immer sind Barrieren, die Menschen das Leben erschweren können, so sichtbar wie Treppen, defekte Fahrstühle oder Kopfsteinpflaster. Menschen, die in ihrem Sehvermögen eingeschränkt oder blind sind, können Schilder und Anzeigen nicht lesen, eingeschränkt Hörende verstehen Ansagen nicht oder nehmen Warnsignale nicht wahr.

Mit Barrieren haben aber nicht nur behinderte Menschen zu tun, sondern auch Menschen, deren Mobilität sich altersbedingt verändert hat. In den kommenden Jahrzehnten wird der Bevölkerungsanteil der über 60jährigen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes voraussichtlich auf knapp 40 Prozent steigen. Rentnerhaben heute auch trotz natürlicherweise auftretender körperlicher Beeinträchtigungen einen hohen Anspruch an ihre Mobilität und erwarten einen uneingeschränkten Zugang zu ihrer Umwelt. Auch Menschen, die temporär in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, z.B. durch Krankheit oder Verletzungen oder Eltern, die mit einem Kinderwagen bzw. kleinen Kindern unterwegs sind, Reisende mit viel Gepäck und auch Menschen, die im Erfassen von sprachlichen Strukturen oder komplexen Zusammenhängen, in ihrem Technikverständnis langsamer oder eingeschränkt sind, haben spezielle Ansprüche an die Gestaltung ihres Umfeldes. Nicht zuletzt geht es auch um eine digitale Barrierefreiheit, also einen hindernisfreien Zugang zum Internet für jeden.

An dieser Stelle wird deutlich, worauf sich das Prinzip der „Inklusion“ bezieht. Im Gegensatz zur „Integration“, die die Einbeziehung behinderter Menschen in den Alltag nichtbehinderter Menschen praktiziert, liegt der „Inklusion“ das Bewusstsein der Verschiedenartigkeit von Menschen und der damit verbundenen unterschiedlichen Bedürfnisse zugrunde. Es wird also nicht eingeteilt in einen „Normalzustand“ und einen „vom Normalzustand abweichenden Zustand“, es geht auch nicht um Anpassung, sondern das Recht auf Gleichberechtigung aller Bevölkerungsgruppen soll durch die Schaffung von barrierefreien Zugängen für jeden gesichert werden.

Die UN-Behindertenrechtskonvention wurde 2006 beschlossen und trat 2008 in Kraft. Im Artikel 9 verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, geeignete Maßnahmen zu treffen, um für Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen den Zugang zur physischen Umwelt, also zu Transportmitteln, zu Information und Kommunikation, einschließlich Informations– und Kommunikationstechnologien und –systemen, sowie zu anderen Einrichtungen und Diensten, die der Öffentlichkeit in städtischen und ländlichen Gebieten offen stehen oder für sie bereit gestellt werden, zu gewährleisten. Das heißt, es wurden keine neuen Regeln formuliert, sondern die Rechte aus den ohnehin bestehenden Menschenrechtsverträgen werden explizit für Menschen mit Behinderung beansprucht.

Die „STIFTUNG barrierefrei kommunizieren!“ bietet einen sogenannten Erlebnisparcours an. An den verschiedenen Stationen des Parcours kann man zum einen erleben, mit welchen Hürden behinderte Menschen im Alltag konfrontiert sind und zum anderen erfahren, wie Technologien die Betroffenen bei der Nutzung von Computer und Internet unterstützen.

Zudem finden sich im Internet zahlreiche Initiativen und Plattformen, die Hilfsmittel, Veranstaltungen und Ideen für ein barrierefreies Miteinander aufzeigen und anbieten. Spezialkameras, die als Lupe und zur Farberkennung genutzt werden können, Vorlesesoftware, Tipps für einen barrierefreien Urlaub, Museumsführungen für Blinde und Sehbehinderte, der Bundesliga-Reiseführer „Barrierefrei ins Stadion“, Filmbeschreibungen, Hörtheater, simultane Gebärdensprachübersetzungen bei Musikkonzerten und Internetseiten in „Leichter Sprache“ sind nur einige Beispiele.

Erfreulicherweise sind diverse Maßnahmen, die eine barrierefreie Mobilität gewährleisten sollen, bereits selbstverständlich in unserem Alltag verankert. Die weißen Markierungen an Straßen, Bahnsteigen und Treppen, das sogenannte Taktile Blindenleitsystem, oder die Vorrichtungen an den Fußgängerampeln, die durch unterschiedliche Töne und Vibrieren signalisieren, ob die Ampel rot oder grün zeigt, gehören inzwischen zum gewohnten Alltagsbild. Piktogramme an Türen, Wegweisern und auf sonstigen Anzeigen ermöglichen ein schnelles und meist unmissverständliches Erfassen von Sachverhalten, auch für Menschen, die nicht lesen können, außerdem sind sie unabhängig von der Sprache, die der Leser spricht. Kinderwaschbecken, tiefer an der Wand angebracht, sind in den Sanitärräumen bestimmter Möbelhäuser selbstverständlich und sorgen auf sympathische Art für eine Barriere weniger.

Mit anderen Worten, eine erfolgreiche Inklusion, d.h. ein selbstverständliches, barrierefreies Zusammenleben von Menschen in verschiedenen Lebensumständen, mit unterschiedlichen Bedürfnissen setzt voraus, dass sich die Vorstellung von einer „normalen“ Gestaltung des öffentlichen Raums verändert. Ausreichend lange Ampelphasen und stufenfreie öffentliche Verkehrsmittel gehören ebenso dazu wie Sitzgelegenheiten und Verkehrszeichen mit Sprachinformationen.

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