Umweltbüro Lichtenberg

Spaziergang durch den Landschaftspark Herzberge

Der Landschaftspark Herzberge im Bezirk Lichtenberg wird von der Öffentlichkeit immer stärker für die Erholung genutzt. Das Gelände ist nicht leicht zu überschauen, deshalb nehme ich Sie heute auf einen Spaziergang mit, auf dem mich oft Gäste begleiten. Er beginnt an der Straßenbahnhaltestelle Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth.

 

Autor: Heinz Nabrowsky, Leitung Fachbereich Landschaftsplanung und Naturschutz, Umwelt- und Naturschutzamt Lichtenberg

Schon beim Aussteigen aus der Tram eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf das Verwaltungsgebäude des Krankenhauses. Die ziegelrote Fassade ist mit Türmchen und Erkern geschmückt und weist viele schöne Details auf – eine Architektur, die das Herz anspricht. Dabei hatte man dem Architekten Hermann Blankenstein zu seiner Zeit vorgeworfen, ein zu schlichtes Gebäude entworfen zu haben. Wenn die wüssten, was heute so gebaut wird…
Wer im Frühjahr kommt, kann entweder die blühenden Tulpenmagnolien vor dem Gebäude oder die Blumenrabatten mit dem blühenden Flieder auf dem Rondell bewundern. Unser Spaziergang führt uns aber aus dem Krankenhausgelände heraus und wir gehen Richtung Süden. Wer den Landschaftspark Herzberge nicht kennt, reibt sich jetzt die Augen. Schafe, und die in der Stadt? Ja, auf einer Weidefläche begrüßen uns neugierige Rauhaarige Pommersche Landschafe, mit die letzten ihrer Rasse. Sie sind das tragende Element des Landschaftsparks  und haben inzwischen auch die Arbeit der Landschaftsgärtner übernommen. Es wird nicht mehr gemäht, es wird gefressen.
An der Schafweide vorbei wandern wir auf einer Lindenallee an einem kleinen Wäldchen entlang. Die Allee wurde einmal angelegt, um vom Krankenhaus den kürzesten Weg zum Friedhof Friedrichsfelde zu schaffen. Nichts hält ewig und auch die Medizin stößt an Grenzen…
Im Wäldchen auf der rechten Seite des Weges befinden sich viele Bäume, die wohl der erste Garteninspektor des Krankenhauses „Gärtner Schröter“ pflanzen ließ. Von seinen Alleepflanzungen sind beeindruckende Bestände erhalten geblieben. Ursprünglich als Park konzipiert, hat die Natur sich das Gelände zurückerobert.
Nach Verlassen des Waldbereiches öffnet sich für uns die Landschaft, links und rechts des Weges liegen Weideflächen mit einzelnen Bäumen. Auch hier sind die Schafe (wieder) tätig. Noch vor rund 110 Jahren befanden sich hier Felder und Wiesen. Ein Teil wurde bei der Gründung des Krankenhauses einbezogen, denn das Krankenhaus  betrieb eine kleine Landwirtschaft mit den Patienten. Die Garten- und Feldarbeit der Patienten wurde als wichtig für die Heilung angesehen.
Um 1970 gab das Krankenhaus die Landwirtschaftsflächen endgültig auf. Im Süden des Krankenhauses entstand auf den heutigen Weideflächen eine neue Gärtnerei vom Volkseigenen Gut (VEG) Gartenbau Berlin. Der Betriebsteil Herzberge wurde 1982 eröffnet und gehörte zu seiner Zeit zu den modernsten Betrieben seiner Art. Er war als Ersatz für die Gärtnereien in Rummelsburg und Friedrichsfelde gedacht, die ihrerseits für eine Bebauung weichen mussten. 1990 musste der Betrieb schließen. Nelken und Gerbera wurden anderswo billiger produziert. Viele Jahre „zierten“ die aufgegebenen Gewächshäuser die Landschaft, bis sie vor zehn Jahren bis auf einen kleinen Rest aufgegeben wurden. Vor dem ehemaligen Sozialgebäude des VEG Gartenbau biegen wir rechts ab.
Wer Zeit und Muße hat, kann aber den Spaziergang verlängern und die noch vorhandenen Gewächshäuser besuchen. Die vor etwa 20 Jahren gegründete Firma In-vitro-tec, Gesellschaft zur Pflanzenvermehrung für den Umweltschutz mbH, bewirtschaftet bis heute den Rest der Gewächshausanlage. Fast 90 % wurden abgerissen und zurückgebaut. Die heute noch genutzten Gewächshäuser sind in Berlin die letzten Zeugnisse des industriellen Gartenbaus, der im Osten Berlins immerhin so gegen 3.000 Beschäftigte in den verschiedenen Produktionsgenossenschaften und dem VEG Gartenbau zählte. Besucher können sich heute an den verschiedenen Blumen des Schaugartens erfreuen, der von In-vitro-tec gepflegt wird. Aber bitte immer dran denken –  Besucher sind Gäste auf dem Betriebsgelände und sollten sich so verhalten.
Unser weiterer Spaziergang führt uns auf den Weideflächen zum ehemaligen Rangierbahnhof Röder. Auf der linken Weide drehen sich die silbernen Flügel eines kleinen Windrades im Wind. Es pumpt Grundwasser in die Schaftränke, der Überschuss sorgt dafür, dass der ebenfalls auf dieser Fläche befindliche Ritterpfuhl Wasser führt. Er wurde wie die anderen Kleingewässer im Südbereich des Landschaftsparks 2010 künstlich angelegt und mit einer Geotextilbahn abgedichtet. Im Gewässer tummeln sich jetzt Teichmolche, Erdkröten und Teichfrösche. Mit ein wenig Glück ist in den Frühjahrsmonaten auch der „Gesang“ der Wechselkrötenmännchen zu hören – ein lang anhaltender Triller, der in den höheren Tonlagen abrupt endet.
Neben den Wegflächen steht altes landwirtschaftliches Gerät, das die Landwirte der ADO GmbH, einer Tochter des Agrarbörse Deutschland Ost e.V., liebevoll restauriert haben. Sie betreuen auch die Schafherde, die seit 2009 auf etwa 80 Tiere angewachsen ist. Der weitere Weg führt uns leicht bergan zu einer kleinen Schutzhütte und Bänken, die zum Verweilen einladen. Hier schlägt das Herz des Landschaftsparks. Nach Osten eröffnet sich ein schöner Blick über die Weideflächen. Wären im Hintergrund nicht die Schornsteine des Heizkraftwerkes zu sehen, entstünde die Illusion, irgendwo außerhalb der Stadt zu sein. Auf der Fläche ist auch einer der Punkte des Gesundheitspfades, der quer durch den Landschaftspark führt. Wer Lust auf die Übungen verspürt, sollte den Startpunkt an der Gotlindestraße aufsuchen und dem Pfad folgen. Ansonsten gibt es hier wie an 32 weiteren Standorten Erläuterungstafeln, die den Informationshunger der Besucher stillen.
Wir gehen den Weg Richtung Westen weiter und erreichen eine kleine Grünanlage. Aber Vorsicht – hier führt einer der Radwege vorbei. Radfahrer können hier durch den Landschaftspark ihre Fahrt verkürzen, und viele tun das in erstaunlicher Geschwindigkeit. Hier befindet sich eine weitere Schafweide. Vor 20 Jahren verfiel der ehemalige Rangierbahnhof in einen Dornröschenschlaf, die wenigen im Industrie- und Gewerbegebiet noch verbliebenen Betriebe setzen auf die Straße und den LKW. Der Schlaf dauerte aber nicht sehr lange, denn das Gebiet konnte dem Landschaftspark Herzberge zugeschlagen werden.
Die Zeit vergeht wie im Fluge und es ist nicht möglich, alles zu sehen. Also zurück zur Straßenbahnhaltestelle, jetzt auf einen schmalen Weg, den früher Lokführer und die Rangierarbeiter nutzten. Auf der linken Seite blieb das Gebäude des Stellwerkes erhalten und wartet auf eine gute Idee zur Nachnutzung. An der Weggabelung biegen wir rechts ab und kommen zum Eichenpfuhl. Ein Wildschutzzaun schützt die Kröten und ihren Nachwuchs vor unliebsamen Besuchern. Dahinter betreten wir eine Lichtung, die früher den Patienten bei den Sommerfesten als Tanzplatz diente. Die alte Weide erinnert an einen Harry-Potter-Film. Keine Angst, sie schlägt nicht aus!
Nach einer kleinen Rast auf einer der Bänke gehen wir an der KITA vorbei zurück zur Tramhaltestelle. Kaum zu fassen, für den kleinen Spaziergang haben wir mehr als eine Stunde benötigt. Wer Lust auf einen Spaziergang in den Norden des Landschaftsparks Herzberge hat, kann mich auf einer Wanderung in einer der nächsten Ausgaben begleiten!

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