Umweltbüro Lichtenberg

Verdrängte Biotope? Wohnungsbau kontra Natur

Im Lichtenberger Ortsteil Falkenberg, in der Nähe des Gehrensees, begann im Oktober 2016 der Bau einer neuen Wohnsiedlung mit insgesamt 1.200 Wohneinheiten. In mehreren Bauabschnitten sollen bis 2021 auf einer Grundstücksfläche von rund 13 Hektar Reihen- und Wohnhäuser entstehen.
Falkenberg ist ein historisches Straßendorf, das im 13. Jhd. gegründet und 1920 in Berlin eingemeindet wurde. Vom Beginn des industriellen Wohnungsbaus im Ostteil der Stadt war Falkenberg kaum betroffen. Einzig im südlich angrenzenden Bezirk Marzahn-Hellersdorf entstand in den 1980er Jahren eine Großraumsiedlung. Nördlich des aktuellen Bauvorhabens schließt sich die offene Landschaft des Berliner Barnim an. Das rund 3.500 Hektar große 4. Naherholungsgebiet erstreckt sich als länderübergreifendes Schutzgebiet von Berlin und Brandenburg über den gesamten Norden Berlins.

Rund um den Gehrensee befand sich bis 1989 eine Außenstelle des DDR- Innenministeriums. Mauern verhinderten den Zugang zum versiegelten Gelände und ein Betonwall zerschnitt die Gräben, aus denen der See gespeist wurde.
Im Jahr 2006 wurde der Gehrensee mitsamt seinem Umfeld ökologisch saniert. Zu dieser Zeit führte er noch so viel Wasser, dass die umliegenden Wiesen nicht mit großen Mähmaschinen befahren werden konnten. Daher wurde das Gebiet umzäunt und zur Offenhaltung bis heute mit Rindern beweidet. Aufgrund des fehlenden Niederschlages in den letzten Jahren ist der Gehrensee inzwischen stark in seiner Größe zurückgegangen, zeitweise führt er kaum noch Wasser.

 

Welche Auswirkungen wird die geplante Bebauung auf die umgebende Landschaft haben? 1.200 Wohneinheiten bedeuten mindestens 2.400 neue Bewohner*innen in diesem Gebiet. Das wird die Landschaft nachhaltig verändern. Ein so großes Gebiet muss auch verkehrstechnisch und infrastrukturell ausgebaut werden. Also werden neben den Häusern auch Straßen und Parkplätze neu entstehen und weiteren Boden versiegeln. Auch auf den Grundstücken selbst wird durch den Bau von Gartenwegen oder Garagen vom offenen Boden wenig übrig bleiben. Niederschläge können nicht versickern, sondern werden über die Kanalisation abgeleitet. Das heißt, dass weniger Wasser zur Grundwasserneubildung bereitsteht und auch weniger Wasser verdunstet. Die Chancen für den beispielhaft genannten Gehrensee, in naher Zukunft wieder ausreichend Wasser zu führen, verringern sich. Das wiederum wirkt sich negativ auf den Temperaturhaushalt und das Pflanzenwachstum aus.

Durch die geplante Bebauung verliert Berlin weitere 13 Hektar Freifläche, auf der heute noch Regenwasser natürlich durch den Boden versickern kann. Bei einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von 500 Liter pro m², werden auf diesem Weg zusätzlich 65 Millionen Liter in die Regenwasserkanalisation geführt und nicht mehr in den Gehrensee!

Eins kann mit Sicherheit gesagt werden: Werden die „freien Räume“ durch notwendig gewordene Wohnbebauung belegt, so entsteht ein erhöhter Nutzungsdruck auf die umliegenden Grün- und Freiflächen. Die Bewohner werden die Natur um sie herum zur Erholung, zum Spazierengehen oder zum Sporttreiben nutzen. In einer stetig wachsenden Stadt wie Berlin müssen bestehende Freiflächen durch erhöhten Flächenbedarf und Flächenverlagerung immer mehr Funktionen übernehmen. Nicht nur der Erholungswert einer Freifläche sinkt mit immer mehr Nutzern. Die Lebensräume für wildlebende Tiere und Pflanzen verlagern und verändern sich oder verschwinden ganz. Durch frei umher laufende Katzen und Hunde werden bodenbrütende Vogel- und andere am Boden lebenden Arten dauerhaft gestört. In den wenigen verbleibenden Flächen werden sie selten ungestört brüten und ihre Jungtiere aufziehen können.

Für künftige Bewohner liegt es also in ihrem eigenen Interesse, respektvoll und verantwortungsbewusst mit der sie umgebenden Natur umzugehen.

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