Umweltbüro Lichtenberg

Wilde Obsternte

1946 schrieb das Neue Deutschland unter der Überschrift Obstbäume am Straßenrand: „Jeder von uns hat wohl gerade in diesem Sommer, mit seinem reichen Obstsegen, bedauert, daß so wenig Früchte, die zur Erhaltung der Volksgesundheit von großer Wichtigkeit sind, zur Verteilung kamen. Die Ursache liegt natürlich in der zu geringen Produktion und auch darin, daß die anfallenden Früchte in erster Linie an die Marmeladenfabriken abgeführt werden müssen, um die Bevölkerung mit Brotaufstrich zu versorgen. … Diesen Mangel an Obst allmählich zu beheben, wäre aber ohne weiteres möglich. Die Anlage von geschlossenen Obstplantagen ist zur Zeit nicht möglich, da durch diese die Anbaufläche anderer Kulturen, wie Getreide, Kartoffeln u. a., verkleinert würde. Man muß also einen anderen Ausweg suchen. Bei Fahrten durch die Provinz kann man tausende Kilometer Wegränder sehen, die ungenutzt da liegen, die aber zum Obstanbau durchaus geeignet wären. Jeder Boden, der Roggen oder Kartoffeln gedeihen läßt, genügt zum mindesten für die anspruchslose Sauerkirsche. Dadurch würden dann in absehbarer Zeit alle Wege, die durch freies Feld führen, in Obstalleen verwandelt werden können.“ (ND vom 25.09.1946)

 

Seit 2015 wollen ganz viele Bezirke essbar werden. Auch die BVV Lichtenberg hat beschlossen, mit der „interessierten Öffentlichkeit zu erörtern, ob und wie für den Bezirk ein Konzept der `essbaren Landschaft´ entwickelt werden kann“. Dahinter steckt die Idee, sich bei Neupflanzungen von Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen bewusst für essbare Arten, wie z. B. Obstbäume und Beerensträucher, zu entscheiden.

 

So kommt alles wieder, auch wenn´s nun nicht der Mangel im Konsum ( [ˈkɔnzʊm] [kɔnˈzuːm]) ist, der die Ideen beflügelt.     
"Auch Stadtkinder sollten auf natürlichem Weg lernen, dass Äpfel vom Baum und nicht aus dem Supermarkt kommen", sagt Henriette van der Wall von den „Grünen“. Dabei gehe es ihr nicht so sehr um die Versorgung der Anwohner mit Kernobst, Beeren und Nüssen. Vielmehr solle der Kreislauf der Natur auch in der Stadt erlebbar sein (stand in der Berliner Woche).

Und natürlich gibt es auch skeptische Stimmen. "Wenn das Obst irgendwann vom Baum fällt, dann ist das weder schön noch ungefährlich", so ein CDU–Mann aus Charlottenburg. "Was passiert, wenn überreife Pflaumen auf den Gehweg fallen? Und wie gehen Kinder damit um, dass auch nicht essbare Beeren an der Straße wachsen können?" (konnte man beim rbb im Internet lesen). 

 

Was sagt uns das? Obst in der Stadt und am Wegesrand erfordert Umweltbildung und Sicherheitskonzepte. Und bei den „Erntehelfern“ sind Rücksichtnahme und gesunder Menschenverstand gefragt.    

     

Nun ja. Wahrscheinlich ist das alles nicht so kompliziert. Der Leipziger (tja, sag‘ ich mal als „Gebürtiger“) hat da was unter http://www.frucht-bar.org/ - Ausgangspunkt: Mundraub-Ernte. An vielen Orten im Stadtgebiet und Umland – sagen die Leipziger - wachsen ungenutzte Obstpflanzen im öffentlichen Raum. Kenn‘ ich auch von früher – wir hatten unsere Johannisbeersträucher auf dem Wohnhof (hat nicht lange gereicht und wurde in der Regel unreif gegessen, aber das ist eine andere Geschichte.)


Es gibt sogar schon deutschlandweite digitale Obsternte-Karten (http://mundraub.org/map). Da kann man sehen, an welchen Früchten der essbaren Stadt man sich frei bedienen kann. Und da lerne ich: Der nächste Kirschbaum ist vom Rathaus 500 m entfernt in der Parkaue. Aprikosen gibt es in der Storkower, Haselnüsse in der Bornitzstraße und Walnüsse und Mirabellen vor meinem Balkon. Für die Ernte ist´s zu spät in diesem Jahr. 

 

Aber aufpassen: Mundraub ist zwar seit 1975 kein Straftat mehr, aber auch nur dann, wenn man das was man erntet, auch gleich aufisst. Und man muss unterscheiden zwischen bewirtschafteten und nicht bewirtschafteten Bäumen und Sträuchern. Zum Glück werden aber auch heute noch von Obstbäumen gesäumte Wegesränder bewirtschaftet! Fallobst kann immer gesammelt und genascht werden, aber wer glaubt, mit großem Gerät ernten zu können, ist weiterhin ein Dieb.  

 

Naturschutz Berlin-Malchow bewirtschaftet folgende Alleen und Streuobst­wiesen in Lichtenberg:

  • Altobstanlage Falkenberg
  • Schulzenkute Falkenberg
  • Obstalleen am Hausvaterweg, Stegeweg und Zehnrutenweg
  • Streuobstwiese Wartenberg.

Impressum

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Tel:  030-92 90 18 66


Beiträge auch in unserem Onlinemagazin „UmweltBewusst“ unter:

www.umweltbuero-lichtenberg.de/umweltbewusst.html


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Dienstag:          9 - 12 Uhr
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Ansprechpartner vor Ort:

Doreen Hantuschke
Julia Bensch
Christin Klieme

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Das Umweltbüro Lichtenberg wird gefördert durch das Bezirksamt Lichtenberg.


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