Umweltbüro Lichtenberg

Naturschutz auf der Haut

Faserpflanzen sind landwirtschaftliche Nutzpflanzen, die hauptsächlich zur Gewinnung der Fasern angebaut werden. Unterschiedliche Pflanzenteile können hierbei von Interesse sein, weshalb zwischen Samenfasern, Bastfasern und Blattfasern unterschieden wird.


Alle pflanzlichen Fasern bestehen aus unterschiedlichen Anteilen an Zellulose, Lignin, Pektin, Hemicellulose und anderen wasserlöslichen Substanzen sowie Wachsen. Abhängig von der Pflanzenart und dem Pflanzenteil verfügen Pflanzenfasern über unterschiedliche Eigenschaften. Sie kommen als Leitbündel im Stängel oder Stamm, als Bast in der Rinde und als Samen-Fortsätze vor. Als Bast- und Blattfasern dienen sie als Verstärkung der Pflanzenteile, bei der Baumwolle ermöglichen die Samenhaare die Verbreitung des Samens mit dem Wind.

 

Die folgende Liste gibt die unterschiedlichen Pflanzenfasern wieder:

Samenfasern

Bastfasern

Blattfasern

Fruchtfasern

Baumwolle

Bambus

Sunn-Hanf (aus Agaven-Blättern)

Kokos

Kapok

Brennnessel

Abacá (Hartfaser aus den Blättern einer Faserbanane)

 

Pappelflaum

Hanf

Henequen

 

 

Jute

Neuseeländer Flachs

 

 

Leinen

Ananas

 

 

Ramie (Chinagras)

Macambria

 

 

Faserpflanzen, die unter den klimatischen Bedingungen Mitteleuropas angebaut werden können sind neben Hopfen, Brennnessel, Hanf und Leinen als Bastfaserpflanzen auch Wollgras, Weide, Pappel und Rohrkolben aus dem Bereich der Samenfaserpflanzen.

 

Hanf ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Erde. Schon vor mindestens 10.000 Jahren nutzten die Chinesen die Samen als Nahrungsmittel, auch die langen unverwüstlichen Fasern lernte man früh schätzen. Die ältesten Funde in Deutschland sind etwa 5.500 Jahre alt. Nicht erst in der heutigen Zeit wird die Nutzung von Hanf gesetzlich geregelt, um 800 n.Chr. erließ Karl der Große das erste Hanfgesetz. Geregelt wurde der verpflichtende Anbau der Faserpflanze, die für mittelalterliche Waffen wie Langbogen und Sehnen unerlässlich war. Auch für die Papierherstellung war Hanf von großer Bedeutung. Gutenberg druckte 1455 seine berühmte Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 ist noch erhalten, weil sie auf fast unverwüstlichem Hanfpapier verfasst wurde. Hanfseile und Segeltuch aus Hanf waren in der Schifffahrt wichtig, da die Faser auch gegenüber Salzwasser sehr widerstandsfähig ist und wenig Wasser aufnimmt.

 

Leinen hat ein ähnliches Alter vorzuweisen, vor 6.000 bis 7.000 Jahren wurde die Pflanze systematisch verbreitet. Von der griechischen und römischen Antike bis ins europäische Mittelalter war Leinen ein wichtiges Material für Kleidung. Im vorindustriellen Europa, als Baumwolle noch nicht in großen Mengen importiert wurde, war Leinen die wichtigste pflanzliche Faser.

 

Eine weniger bekannte Faserpflanze ist die Brennnessel, auch Fasernessel genannt. Schon vor Jahrtausenden wurde aus den Bastfasern der Stängel Nesselgarn und Nesselfaden hergestellt, die zusammen mit Birkenpech-Pfeilspitzen zu Waffen des 3. und 4. Jhd. n. Chr. wurden.
Die Fasern eigen sich auch zur Herstellung von Stoffen, Fischernetzen und Stricken. Viele Jahrzehntelang außer Gebrauch, wird seit einiger Zeit Nesselstoff auch in Deutschland wieder angeboten.

 

Naturfasern sind beliebt und werden überall mehr und mehr nachgefragt. Eine stärkere industrielle Nutzung ist aufgrund von Qualitätsschwankungen und ihrer geringen Festigkeit nur begrenzt möglich. Andererseits werden die Formfestigkeit sowie die Eigenschaft "zu brechen, ohne scharfe oder gefährliche Kanten zu bilden", auch als Vorteile gesehen. Eine der größten Herausforderungen bleibt jedoch, dass die meisten Pflanzenfasern mit der Nahrungsmittelproduktion um Anbaugebiete konkurrieren.

 

Es ist bedenkenswert, unsere heimischen Faserpflanzen zu kultivieren und ihre Verarbeitungsmöglichkeiten zu verbessern. Wie lange wir noch Baumwolle importieren können, ist fraglich, wenn man in den Anbaugebieten ohne Rücksicht auf Mensch, Boden und Natur „giftet“, um eine erfolgreiche Ernte zu sichern. Ähnlich wie beim Erdöl kann es mal knapp werden. Zudem haben heimische Faserpflanzen auch eine ökologische Bedeutung, so dass der Anbau auch bestimmte Arten der Fauna fördern kann. Vom Brennnesselanbau profitieren mindestens drei große Tagfalter, das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs und auch der Admiral. Bekleidung mit Naturschutzwirkung zu tragen, wäre eine Option für die Zukunft.

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