Umweltbüro Lichtenberg

Lebensraum Kleingarten

Schatzkisten der Vielfalt
Kleingärten in Berlin

Allererstens: Die Gärtner und Gärtnerinnen! Gäbe es sie nicht, gäbe es den Kleingarten nicht, gäbe es den Lebensraum für alles, was dann da sonst noch kreucht und fleucht, nicht. Was heißt das? Das heißt, der Kleingärtner ist in seinem Garten auch der Naturschützer. Aber warum sollte er das machen? Wird doch oft die Naturferne von Kleingärten beklagt – nicht immer ohne Grund, schaut man auf oft doch recht sterile Kleingärten, in denen Erholung und eine vorgebliche „Wartungsarmut“ im Vordergrund zu stehen scheint.

 

Autor: Herbert Lohner, Referent Naturschutz, BUND Landesverband Berlin e. V.

 

Kleingärten erfüllen, gerade in einer Großstadt wie Berlin, eine ganze Reihe von wichtigen Funktionen für Mensch und Natur. Schon mit Blick auf ihre Zahl und ihren Flächenanteil in Berlin ist das ersichtlich: mehr als 73.000 Kleingärten auf etwa 3,5 % der Landesfläche. Keine Stadt in Deutschland hat mehr Gärten: Berlin ist auch Deutschlands Gartenhauptstadt!

Grün macht gesund

Gärtnern macht gesünder. Es schafft im Großstadtstress seelischen Ausgleich, es trägt zur körperlichen Fitness bei. Und es gibt Befriedigung.
Kinder kommen hier im geschützten Raum das erste Mal mit Natur in Berührung – auch wenn es das Brennen vom Berühren einer Brennnessel ist. Es scheucht vielleicht hinter dem penetrant um den Gärtner herumhüpfenden Gartenrotschwanz her, dem klassischen Berliner Kleingartenvogel. Kindliches Naturerleben im Garten ist die Basis für späteres Engagement für den Erhalt der Natur. Umweltbildungsmaßnahmen, die in einem späteren Alter einsetzen, können diese frühe emotionale Bindung kaum ersetzen.

Kleingärten können Schatzkisten der Vielfalt sein

Kleingärten sind keine Naturschutzgebiete. Aber allein schon mit ihrer Fläche und ihrer Verteilung über die gesamte Stadt sind sie für Pflanzen und Tiere in der Stadt von besonderer Bedeutung. Was ist hier am wichtigsten?
An erster Stelle: Ein fauler Gärtner! Nicht immer, aber oft gilt: je weniger der Mensch eingreift, desto vielfältiger entwickelt sich die Natur.
An zweiter Stelle: Strukturvielfalt. Je heterogener ein Garten in sich ist, auch wenn er noch so klein ist, desto mehr Nischen finden Pflanzen und Tiere. Immer wieder genannte Beispiele hierfür kennt jeder: Gartenteiche, Steinhaufen, Holzstapel, Trockenmauern. Nistkästen, Insektenhotels usw. usw.
Im Internet finden sich entsprechende Hinweise und Anleitungen ohne Ende, deswegen die Frage: Für welche Tiere und Pflanzen sind Kleingärten nun wirklich wichtig?
Auf den ersten Blick vielleicht etwas erstaunlich, aber: Auf Platz 1 steht im Kleingarten die historische Vielfalt der Nutz- oder Kulturpflanzen. Auch sie ist bedroht, vor allem durch die Marktkonzentration im Saatguthandel, am Horizont dräut auch schon die Gentechnik. Die Saatguttütchen in den Bau- und Gartenmärkten werden immer einheitlicher. Ausnahmen wie der VERN e.V. (www.vern.de) in der Uckermark sind rar gesät. Kaum jemand nimmt noch Samen ab und vermehrt gar selbst sein Saatgut oder gibt abgenommenes Saatgut an den Nachbarn weiter. Hier kann auch des Gärtners Bequemlichkeit also Vielfalt gefährden. Der Kleingärtner kann aber mit seiner normalen Gartenpraxis etwas für den Erhalt von alten Sorten tun – und er kann die Ergebnisse seines Tuns, die Ernte, sogar noch guten Gewissens aufessen – wenn er vorher noch ein paar Samen entnommen hat. Sozusagen Naturschutz durch Essen!

Kleingärten kühlen die Stadt

Der Klimawandel ist in vollem Gange. In Berlin heißt das u.a., es wird trockener, es wird heißer. Nun kennt jeder das Phänomen, dass es im schattigen Wald kühler ist, ja selbst in einer von Bäumen gesäumten Innenstadtstraße spürt man das. Genau das bewirken auch Kleingärten, bis zu 200 m kann ihre Kühlfunktion in die umgebenden Straßen hineinreichen. Diese Wohlfahrtswirkung kommt also nicht nur dem Gärtner, sondern auch den Nachbarn zugute. Je weiter Kleingärten in der Innenstadt angesiedelt sind und je besser sie in die städtische grüne Infrastruktur eingebunden sind, umso wertvoller sind sie in dieser Hinsicht für die Stadt. Ihre Klimaschutzfunktion ist dort am nötigsten, wo die dichteste Bebauung ist, wo das wenigste Grün wächst.
Kleingärten kühlen ihre Umgebung nicht nur, sie machen die Luft auch sauberer, sie binden nämlich wie alle Grünflächen den Feinstaub. Nicht zuletzt übernehmen Kleingartenkolonien für den Wasserhaushalt eine wichtige Aufgabe: Sie bieten Flächen für die direkte Versickerung des Niederschlags.

Kleingärten integrieren Menschen

Viele Menschen, die aus aller Welt freiwillig oder gezwungenermaßen nach Berlin kommen, kommen ursprünglich aus ländlichen Gegenden. Sie brauchen Gärten, um hier eine neue Heimat zu finden. Und hier gilt: Je höher die soziale Vielfalt unter den Parzellenpächtern ist, desto höher ist auch die biologische Vielfalt in den Gärten. Jeder bringt aus seiner alten Heimat Gartenvorlieben, Kulturtechniken und oft sogar Lieblingspflanzen mit. So profitiert die biologische Vielfalt auch von der Integrationsfunktion des Kleingartenwesens. Als „sozialer Kitt der Stadt“ trägt es dazu bei, dass sich auch Migranten in Berlin schnell zu Hause fühlen.

Was macht also den Wert von Kleingärten aus? Es ist auch wieder die Vielfalt: die Vielfalt ihrer Funktionen für Mensch und Natur.

Autor: Herbert Lohner, Referent Naturschutz, BUND, Landesverband Berlin e.V.

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