Umweltbüro Lichtenberg

Eine Welt beginnt vor Ort

Von der am 12. Dezember des vergangenen Jahres in Paris beendeten 21. UN-Klimakonferenz erwartete die Welt eine neue internationale Klimaschutz-Vereinbarung, die in Nachfolge des Kyoto-Protokolls verabschiedet werden sollte. Bis zur letzten Minute ist offenbar verhandelt worden, was die Verlängerung um einen Tag für das Weltklima bedeutet, ist noch nicht errechnet. Am Abend des 12. Dezember wurde von der Versammlung dann aber das Paris-Abkommen beschlossen, das die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C, vorsieht. Weniger finanzstarke Staaten sollen ab dem Jahr 2020 bis zunächst 2025 100 Milliarden Dollar jährlich erhalten, die bei der Anpassung an den Klimawandel und Abmilderung der Treibhausgasemissionen helfen sollen. Nun müssen in einem weiteren Schritt die 195 Teilnehmerstaaten dieses Dokument ratifizieren. Das Abkommen ist zwar völkerrechtlich bindend, jedoch drohen keine Strafen bei Missachtung der Vertragspunkte.

Wie können wir hier vor Ort etwas tun? Wie können wir lokal handeln (besser umsetzen oder verwirklichen), was hier global gedacht ist? Leicht hingeschrieben ist der Satz ja immer, mal sehen ob es konkret geht. Der Bezirk Lichtenberg reüssiert ja seit 5 Jahren mit einem Klimaschutzkonzept und dabei ist auch einiges auf den Weg gebracht worden, auch wenn dazu das „Im-Rahmen-unserer-Möglichkeiten“ unvermeidbar ist. Aber energetische Sanierung, Versuche mit alternativer Energieerzeugung, die Einbindung von Wohnungsunternehmen, auch die Beratung kleinerer Einzeleigentümer von Mietwohnungen gehört dazu, wie auch Überlegungen zur Mobilität in Bezirk und in der Verwaltung (kleiner Nachdenksatz: Der Erfinder und Promoter des Klimaschutzkonzepts, Senator Geisel, hat jüngst den nächsten Bauabschnitt der Autobahn 100 angemeldet, aber das ist eine andere Geschichte).

Nun aber zurück zum Thema: Wir wollen noch etwas mehr ausprobieren: Eine Klima-Partnerschaft mit Hanoi. Mutig? Ja, kann aber gelingen. Städtepartnerschaft mit dem Bezirk Hoan Kiem ist schon, nun muss die mit Leben gefüllt werden. Da kommt uns das Projekt Kommunale Klimapartnerschaften bis 2015 des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) recht. Worum geht es? Wir sollen regelmäßig auf den Gebieten Klimaschutz und Klimaanpassung zusammenarbeiten. Dafür muss ein konkretes Handlungsprogramm mit Zielen, Maßnahmen und Ressourcen aufgestellt werden. Will man das Projekt verstehen, gilt erst mal viel „Überbau“-Text zu lesen. Projektorganisationsdeutsch, bedeutungsschwere Substantivketten, Kernteams, Steuerungsrunden, Koordination, natürlich SWOT-Analyse. „Die kommunalen Akteure (Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft) der Partnerkommunen erarbeiten dazu in einem partizipativen Prozess gemeinsam ein bilaterales Handlungsprogramm in den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung“[1]. Na, dann los. Naturschutz Berlin-Malchow muss mit, wegen Zivilgesellschaft.   

    

Ich such im Kopf schon nach Maßnahmen, Beispielen, Erkenntnissen, die man beraten und austauschen könnte. Was wollen die Kolleginnen in Hanoi von uns wissen? Wie erzeugt man in Vietnam eigentlich Energie? Wo liegen die Probleme dort? Sind die Garküchen auf offenem Reisstrohfeuer ein Klimaproblem? Müssen sie Häuser dämmen oder eher die Klimaanlagen abstellen? Finden kann man z. B. Energieerzeugung: fossile Brennstoffe (Erdöl, Steinkohle u. a.): 43,7 %, Wasserkraft: 56,3 %. Fast 60 % also regenerativ! (Mit welchen Wirkungen für manches Tal?) Verbrauch: 145 TWh - Deutschland 650 TWh - bei fast gleicher Einwohnerzahl! Aber der Energieverbrauch explodiert gerade. Zwei Atomkraftwerke sollen gebaut werden. Tja. Energieeffizientes Bauen steckt in Vietnam in den Kinderschuhen[2].   

Na, da gibt es doch zu reden. Die deutsche Wirtschaft ist auch unterwegs: mit der ,,Exportinitiative Erneuerbare Energien". Eine „Zielmarktanalyse“ für deutsche Windenergieunternehmen liegt vor[3]. Und die Einschätzung, dass Vietnam eines der Länder ist, das weltweit am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen ist. Fachleute warnen vor einem Temperaturanstieg zwischen 2 °C und 3 °C, einer Zunahme der jährlichen Niederschlagsrate sowie vor einem Anstieg des Meeresspiegels zwischen ca. 65 und 100 cm bis Ende des 21. Jahrhunderts[4]. Also, auf geht’s, führen wir die Debatte, erzählen wir was wir können, lernen wir, was woanders besser geht. Ohne Schlaumeierei, als Partner. Denn wenn irgendwas gilt, kommunal ist es immer und überall gleich. Wenig Macht, aber größte Nähe zum Problem birgt beste Kompetenz. Keine Interessen, außer Zukunftssicherung und gutes Leben. Für alle.



[1] Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, SKEW, FAQ Klimapartnerschaftsprojekt

[2]  GTAI Germany Trade & Invest, http://www.gtai.de/                                                    

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