Umweltbüro Lichtenberg

Das Paris-Abkommen

Guten Morgen Herr Müschen. Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr viel Gesundheit, Glück und Erfolg.
Das wünsche ich Ihnen auch, vielen Dank!

Wie geht es Ihnen? Haben Sie schon Zeit gehabt, die Konferenz in Paris für sich auszuwerten?
Wir sind im Umweltbundesamt dabei, das zu tun. Persönlich ziehe ich eine positive Bilanz, da der neue Klimavertrag als Ergebnis mehr enthält, als wir im Vorfeld erwartet haben.

Können Sie die Stimmung beschreiben, die vor Ort herrschte, als allen Teilnehmern bewusst wurde, dass man kurz vor dem Abschluss eines bedeutenden Klima-Weltabkommens steht?
Allen Beteiligten vor Ort war klar, dass es letztlich um alles geht, dass wir zu einem Vertrag kommen müssen.
Wir arbeiten seit 20 Jahren an diesem Vertrag, der alle Menschen dieser Welt in 195 Staaten betrifft. Dies ist wichtig, damit wir bis Mitte des Jahrhunderts das Ziel erreichen, die Klimaerwärmung unter 2°C zu halten, nach Möglichkeit nur bei 1,5°C.

Mit diesem Klimaschutzabkommen bekennt sich die Weltgemeinschaft völkerrechtlich verbindlich zu dem Ziel, die Erderwärmung auf unter 2°C zu begrenzen. Ist dieses Ziel mit den bisher bekannten Mitteln noch zu erreichen bzw. wurden neue Mittel und Wege diskutiert und vereinbart?
Die Mittel und Wege müssen alle Staaten selbst bestimmen. Die meisten Staaten haben bereits eine Verpflichtungserklärung erarbeitet, in der erläutert wird, welche Maßnahmen in den nächsten 15 Jahren bis 2030 umgesetzt werden sollen, um die Erderwärmung auf unter 2°C zu begrenzen.
Mit diesen Verpflichtungen haben sich die Staaten dazu bekannt, Maßnahmen u. a. zur Erhöhung der Energieeffizienz, zum weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und zur Wiederaufforstung umzusetzen, je nachdem welche Möglichkeiten in den einzelnen Ländern bestehen. Es gibt kein Patentrezept. In jedem Land muss selbst entschieden werden, mit welchen Methoden die Minderung der Treibhausgase erreicht werden kann.
Das Entscheidende an diesem neuen Klimavertrag ist, dass ein neuer Mechanismus eingebaut wurde. Alle fünf Jahre überprüft die Staatengemeinschaft, ob wir unserem gemeinsamen Ziel näher kommen, ob die Maßnahmen in den einzelnen Ländern genügen, das Ziel zu erreichen. Ist das nicht der Fall, muss nachgeschärft werden, d. h., die einzelnen Verpflichtungen der Staaten können und sollen, wenn erforderlich, noch ambitionierter werden.

Gibt es ein Gremium, das die Umsetzung von Maßnahmen zum Erreichen des Klimaschutzzieles kontrolliert?
Es gibt das Klimasekretariat in Bonn, das in der Klimarahmenkonvention von Rio de Janeiro gefordert und anschließend auch eingerichtet wurde.
Das Klimasekretariat ist das Gremium, das die Umsetzung der Maßnahmen überprüft. Die genauen Mechanismen müssen in den nächsten Monaten detailliert ausgearbeitet werden, zum Beschluss soll es auf der nächsten Klimakonferenz im November 2016 in Marrakesch kommen.

Das „Paris-Abkommen“ legt auch fest, dass die Welt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts treibhausgas-neutral werden muss.
Welche Strategie kann erfolgreich dazu führen, dass die Industrienationen aus der fossilen Energie aussteigen und die Entwicklungsländer gar nicht erst einsteigen?
Entscheidend ist die sogenannte Dekarbonisierung. Das heißt, wir müssen weltweit bis zur zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf jegliches Verbrennen von Kohle, Öl und Gas verzichten, um treibhausgas-neutral werden zu können.
Für Deutschland ist die Strategie leicht benannt: Die gesamte Stromerzeugung muss auf erneuerbare Energien umgestellt werden, auch unsere Treib- und Heizstoffe müssen wir aus erneuerbaren Energien beziehen. Der sehr geringe Anteil an Kohlenstoffen, den wir möglicherweise für industrielle Prozesse brauchen, muss zukünftig so wiederverwendet werden, dass er nicht in die Umwelt gelangt.

Gibt es im Paris-Abkommen einen Zeitplan zum Kohle-, Gas- und Erdöl-Ausstieg?
Nein, das müssen die einzelnen Länder selbst entscheiden. Dabei wird es natürlich in Deutschland zu heftigen Debatten kommen, wie und wie schnell dieser Weg in den einzelnen Sektoren wie Elektrizität, Verkehr und Gebäudeheizung erreicht werden kann.

Die Pro-Kopf-Emissionen in Europa liegen bei einem Vielfachen dessen, was die Erde vertragen könnte, wenn alle Menschen auf Dauer so leben würden wie wir. Was kann jeder Einzelne tun, um die Emissionen von Treibhausgasen zu verringern?
Jeder kann in verschiedenen Bereichen, sei es Wohnen, Reisen oder Arbeiten darauf achten, dass er sorgsam mit Energie umgeht. Wir müssen effizient mit Energie umgehen und dann die Energie, die verbraucht wird, wenn irgend möglich aus erneuerbaren Energien beziehen.

Das Paris-Abkommen enthält das feste Versprechen, die Entwicklungsländer beim Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Anstelle der Zweiteilung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern soll zukünftig eine feine Differenzierung dafür sorgen, dass jeder so viel beiträgt, wie er kann. Mit welchen Maßnahmen kann das geschehen?
Es gibt vielfältige Möglichkeiten, in den einzelnen Ländern Treibhausgase zu reduzieren, insofern diese überhaupt genutzt werden. Gerade in den Industrieländern ist das der entscheidende Weg.

In den Entwicklungsländern, die häufig am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, sind Maßnahmen zu ergreifen, um die Schäden durch den Klimawandel zu vermeiden bzw. möglichst gering zu halten. Beispiele sind Infrastrukturmaßnahmen, bei denen es um die Vermeidung von Überschwemmungen geht und Maßnahmen zum Schutz von Gebäuden bei starken Wetterereignissen. Die Entstehung lebensfähiger und klimaangepasster Städte und Siedlungen muss - nicht nur in den Entwicklungsländern - ein Ziel sein.

Sind Sie stolz darauf, bei dieser Klimakonferenz dabei gewesen zu sein und haben Sie vor Ort einen ernsten Veränderungsdrang der Teilnehmer gespürt?
Die Stimmung in Paris war sehr bewegt, besonders als deutlich wurde, dass das Klimaabkommen zustande gekommen ist. Die beiden Wochen waren aber auch geprägt von emotionalen Berg- und Talfahrten, da am Anfang keinesfalls klar war, ob wir dieses Ziel wirklich erreichen. Das Paris-Abkommen forderte jede Menge Verhandlungsgeschick, insbesondere seitens der französischen Präsidentschaft. Das Ergebnis ist ein großer Erfolg.

Herr Müschen, ich bedanke mich für das Gespräch. Für Ihre nun folgende Arbeit wünsche ich Ihnen Durchhaltevermögen und kooperative Partner!
Vielen Dank, das werden wir im Umweltbundesamt brauchen. Die aus dem Abkommen resultierenden Maßnahmen werde ich aber nicht mehr umsetzen, sondern ab Sommer im (Un)Ruhestand begleiten. Die Klimakonferenz in Paris und der dort beschlossene Vertrag ist ein guter Abschluss meiner 35-jährigen Arbeit für Energiewende und Klimaschutz.

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