Umweltbüro Lichtenberg

Wer quakt denn da in Lichtenberg?

Guten Tag Frau Kitzmann! Schön, dass Sie Zeit gefunden haben über das Wiederansiedlungsprojekt des Laubfrosches in Lichtenberg zu berichten. Was macht den Laubfrosch denn so besonders?       

Der Laubfrosch ist des
halb so besonders, weil er bei den meisten Menschen die Analogie zum Wetterfrosch hat. Er hat früher in Gläsern sitzend und auf einer Leiter hoch und runter springend, das Wetter orakelt. Das hat dazu geführt, dass der Laubfrosch unbewusst in vielen Köpfen vorhanden ist, auch wenn man ihn konkret gar nicht kennt. Er ist auch deswegen besonders, weil er Saugnäpfe an den Füßen hat und damit klettern kann, was die anderen heimischen Amphibien nicht können. Seine durchweg grüne Körperfarbe mit den Augenflecken macht ihn zu einem auffälligen Tier.      


Der Laubfrosch ist im Osten Berlins seit den 1960er Jahren ausgestorben. Auch im Rest von Berlin existieren keine Populationen mehr. Woran liegt das?   

Da streiten sich die Experten. Viele gehen davon aus, dass der Wegfang für die Verwendung als Wetterfrosch Schuld ist. Ein weiterer Grund ist, dass sich die Lebensbedingungen für ihn verschlechtert haben. Die Mechanisierung der Landwirtschaft, die großen Schläge, das Trockenlegen von Feuchtgebieten, fehlende Beweidung von Flächen oder Wiesen auf denen Tümpel liegen, haben ebenfalls dazu geführt, dass sein Bestand ganz stark zurückgegangen ist. Die Restbestände waren dann zu klein und nicht mehr vermehrungsfähig, sodass der Rückgang des Laubfrosches in Berlin vorprogrammiert war. Zudem kommt hinzu, dass es kaum noch unberührte Bereiche gibt. Wir haben überall Siedlungen, Häuser-, Straßen- und Wegebau, die sich negativ auf die Lebensräume des Laubfrosches ausgewirkt haben.


Nun gibt es in Lichtenberg Bestrebungen, den Laubfrosch wieder anzusiedeln. Was macht Lichtenberg denn so besonders und prädestiniert für so ein Projekt?

Das Schöne am Bezirk Lichtenberg ist, dass er in der Innenstadt anfängt und bis an den Stadtrand geht. In den Stadtrandbereichen gibt es Flächen, die früher von Rieselfeldern und auch von Landwirtschaft geprägt waren, auf denen allerdings in den letzten 25 Jahren deutliche Veränderungen stattgefunden haben. Heroisch ausgedrückt, hat dort eine Ökologisierung der Landschaft stattgefunden, es wurden zum Beispiel viele Gewässer angelegt. Zum 20. Landschaftstag des Regionalparks Barnimer Feldmark habe ich darüber berichtet, dass alleine in den letzten 20 Jahren im Bezirk Lichtenberg am Stadtrand 15 neue Gewässer angelegt wurden. Auch in den Naturschutzgebieten, wir haben sogar ein Natura2000 Gebiet, sind einige Weiher hinzugekommen. Ein großer Teil der Flächen wird ökologisch bewirtschaftet, durch Beweidung oder Landwirtschaft. Auch Gehölze wurden angepflanzt. All diese Dinge ergeben in der Kombination einen guten Lebensraum für Laubfrösche.    


Wie hoch stehen denn die Chancen, dass der Laubfrosch in Lichtenberg langfristig wieder heimisch werden kann? 

In einer Studie haben wir untersucht, ob der Laubfrosch in Lichtenberg überleben kann. Die Ergebnisse haben wir mit anderen Wiederansiedlungsprojekten im Bundesgebiet verglichen. Wir sind dabei zu der Erkenntnis gekommen, dass eine Wiederansiedlung Erfolg haben kann. Ein großes Problem sind die Straßen, die zwar teilweise mit Amphibienleiteinrichtungen und Tunneln ausgestatten sind, diese sind allerdings für den Laubfrosch nicht nutzbar. Was uns im Augenblick das Ansiedeln erschwert, ist die Tatsache, dass es zu wenig regnet. Das ist eine Erscheinung, die nicht nur Berlin betrifft, sondern auch Brandenburg. Einige Gewässer haben so einen niedrigen Wasserstand, dass momentan der falsche Zeitpunkt ist, um den Laubfrosch wieder anzusiedeln. Geplant für 2015, mussten wir die Wiederansiedlung aufgrund der klimatischen Bedingungen verschieben.

Welche Maßnahmen werden ergriffen, damit sich der Laubfrosch in Lichtenberg wieder wohl fühlt?

Als erstes wurden die Gewässer angelegt. Dann haben wir nochmal den Landschaftsraum – und da sprechen wir wirklich von dem Bereich von Falkenberg über Wartenberg bis nach Malchow – aufgewertet, indem Wald gepflanzt wurde. Wir wollen den Waldrand mit Heckenstrukturen verstärken, damit der Laubfrosch seine typischen Aufenthaltsbereiche für den Sommer hat. Außerdem sollen Wanderwege für die Tiere optimiert werden, damit sich die Laubfrösche, die wir in einem Gebiet ausbringen, auch ausbreiten. Das Ziel ist, dass sie auch neue Gewässer besiedeln können. In einer lauen Sommernacht gibt es wirklich nichts Schöneres, als ein gemeinsames Konzert von Laubfrosch und Rotbauchunke. Da es den Laubfrosch in Berlin gab, gehört er auch einfach wieder hier her. Nun müssen wir noch die Bedingungen dafür schaffen.   

Wie viele Tiere müssen umgesiedelt werden, damit eine natürliche Population entstehen kann?           

Das Ziel ist ja nicht nur, dass eine natürliche Population entstehen kann, sondern unser Ziel ist, dass eine Spenderpopulation entsteht. In den Falkenberger Rieselfeldern sollen Populationen angesiedelt werden, die so stabil sind, dass immer wieder Tiere in neue Gebiete abwandern können. Das ist dann die sogenannte Spenderpopulation. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir auch klimatisch günstige Bedingungen haben, damit der Start gut funktioniert. Wenn die Laubfrösche sich dann einmal etabliert haben, können die Tiere auch mal mit einem schlechten Jahr umgehen. Sie müssen sich aber erst einmal etablieren, deshalb kann man auch keine Zahl sagen, wie viele umgesiedelt werden müssen. Andere Wiederansiedlungsprojekte haben mehrere Jahre Tiere umgesiedelt, damit auch eine Altersstruktur in diesem neuen Gebiet entsteht. Man setzt drei bis vier Jahre lang immer wieder Tiere nach, damit es ein Erfolg wird.            


Was müssen erholungssuchende Bürger in diesen Gebieten beachten, wenn der Laubfrosch wieder heimisch geworden ist?          

Beachten müssen sie gar nichts. Er soll natürlich nicht mehr gefangen werden, deswegen soll dieses Projekt auch mit Aufklärungsarbeit verbunden sein. Der Laubfrosch wird eine Bereicherung und ein Gewinn für das Gebiet sein und nicht dazu führen, dass wieder vermehrt Wetterfrösche gehalten werden. Es ist ein Gewinn für die Landschaft und wir wollen ein Mitglied in dem ökologischen Netz wieder eingliedern. Ansonsten sind Laubfrösche auch gute Insektenvertilger, deswegen ist er auch da nochmal eine Bereicherung und eine Freude für den Menschen.

Das Projekt wird von verschiedenen Institutionen getragen. Wer ist denn alles daran beteiligt?     

Im Prinzip ist der Bezirk Lichtenberg − das  Umwelt- und Naturschutzamt − der Ideengeber und der Treiber dieses Projektes. Dadurch, dass wir die Gutachten geschrieben haben, ist Naturschutz Berlin-Malchow natürlich mit dabei. Mittlerweile haben wir auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz dafür gewinnen können und auch im Land Brandenburg das Landesamt für Umwelt. Norbert Schneeweiß aus der Naturschutzstation Rhinluch, der die artenschutzrechtlichen Fäden in der Hand hält, ist auch in das Projekt involviert. Wir haben also fast alle Entscheidungsträger dabei, die dafür sorgen können, dass das Projekt ein Erfolg wird. Jetzt brauchen wir nur noch genügend Regen, damit die Wiederansiedlung starten kann!   

Wir drücken die Daumen, dass der Sommer regenreich wird und wir bald den Laubfrosch in unserem Bezirk begrüßen können. Vielen Dank für das Gespräch Frau Kitzmann.

 

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