Umweltbüro Lichtenberg

Den Bock zum Gärtner machen

Bei diesem neuen Konzept gab eine zentrale Frage den Ausschlag: Wie sähe die Naturlandschaft in Mitteleuropa aus, hätte der Mensch nicht zahlreiche Großtierarten ausgerottet oder ihre Bestände dezimiert.
Unter dem Einfluss der mindestens 18 typischen großen Pflanzenfresserarten kann die warmzeitliche Naturlandschaft Mitteleuropas als räumlich und zeitlich dynamisches Mosaik aller denkbaren Zwischenstadien von Wald bis Offenland angenommen werden. Unter natürlichen Bedingungen gestalten die großen Pflanzenfresser Lebensräume für andere Arten und ganze Landschaften. Die pflanzenfressenden Säugetiere müssen daher als wesentlicher Faktor in mitteleuropäischen Ökosystemen im Naturschutz berücksichtigt werden.
Die warmzeitlichen Verbreitungsgebiete der meisten der 18 abgebildeten Arten dürften unter natürlichen Bedingungen fast ganz Mittel- und Westeuropa umfassen; lediglich bei drei Arten sind kleinere Areale anzunehmen:
• Gemse (nur Mittel- und Hochgebirge),
• Steinbock (nur Hochgebirge und felsige Teile der Mittelgebirge),
• Europäischer Wildesel (eventuell beschränkt auf trockene Ebenen).

TabelleAbbildung aus: Margret Bunzel-Drüke, Joachim Drüke & Henning Vierhaus; Der Einfluss von Großherbivoren auf die Naturlandschaft Mitteleuropas, 2001

Wenn wir die Biologie der Tiere und Pflanzen verstehen wollen, müssen wir auch die Bedingungen kennen, unter denen die Arten entstanden sind. Dabei wird die Herbivorie als Faktor der Pflanzen- und Tierevolution vielfach unterschätzt. Dies ist erstaunlich, weil große Pflanzenfresser in den Ökosystemen wohl immer eine bedeutende Rolle spielten; dies gilt nicht nur für die vom Menschen wenig beeinflusste Naturlandschaft, sondern auch für die Kulturlandschaften der letzten Jahrtausende. Soweit der Naturschutz den Erhalt von Artenvielfalt oder Naturnähe anstrebt, muss er sich mit der Bedeutung der Beweidung für Landschaften und Lebensräume auseinandersetzen und diesen natürlichen Prozess in seine Planungen einbinden.
Somit ist die ganzjährige Beweidung in geringer Dichte mit robusten Weidetieren auf großen Flächen die Umsetzung der Vorstellung von historischen Zuständen. Der Wunsch, eine „neue Wildnis“ zu schaffen, in der natürliche Prozesse wieder ablaufen können, spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle.
Eine sehr extensive ganzjährige Beweidung, die sich an der natürlichen Tragkraft des Standortes orientiert, dient dem Erhalt von naturschutzfachlich sehr wertvollen offenen und halboffenen Kulturlandschaften, erhöht die Ästhetik von ländlichen Räumen, schafft attraktive Landschaften und damit auch die kulturelle Identität.
BeweidungHeute existieren in Deutschland nur noch kleine Reste von historisch durch Weidetiere geprägte Landschaften. Dazu gehören zum einen durch die Schafbeweidung entstandene Triften der Rhön und der Schwäbischen Alb und zum anderen die insbesondere durch Rinder geformten Hudelandschaften des nordischen Tieflands, um deren Erhalt sich Naturschützer schon sehr lange bemühen.
Da die Wildformen von Auerochse und Wildpferd (Tarpan) ausgerottet sind, ersetzt man sie mit Abbildzüchtungen des Auerochsen (Heckrind) und des Tarpans (Heckpferd).
Parallel dazu haben sich neue landwirtschaftliche Methoden entwickelt, bei denen durch naturnahe, ganzjährige Beweidung mit robusten Haustierrassen die gleichen natürlichen Prozesse ablaufen sollen wie in der Naturentwicklung, gleichzeitig aber ein wirtschaftlicher Gewinn erzielt werden kann.

Mittlerweile sind verschiedene Beweidungssysteme entstanden, bei denen folgende Tiere zum Einsatz kommen:
Highland-Rind, Galloway-Rind, Hinterwälder Rind, Island Pony, Fjordpferd, Düppeler Weideschwein, Konik-Pferd, Mufflon, Schafe, Exmoor-Pony u.v.a.
Zwar werden wir auf Waldelefant, Wald- und Steppennashorn verzichten müssen, aber die noch erhaltenen großen Pflanzenfresser können uns einen guten Eindruck vermitteln, wie sie mit ihrem Fressen die Landschaft gestalten und durch ihre Lebensweise verschiedene Lebensräume schaffen. Wir müssen sie nur mal gewähren lassen.

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