Umweltbüro Lichtenberg

Naturnaher Kleingarten

Als Naturliebhaber und Gartenbegeisterte besitzen Frau und Herr Hesse ein ca. 600 m² großes Gartengrundstück mit Gartenhaus in der Kleingartenanlage Sonnenschein. Inmitten der Stadt in Berlin Weißensee an der Grenze zu Lichtenberg Hohenschönhausen konnte sich das Ehepaar ein grünes Paradies schaffen, das ihnen einen Erlebnis- und Erholungsort zugleich bietet. Die Gestaltung von Gärten im Allgemeinen fällt sehr unterschiedlich und individuell aus. Das Ehepaar besitzt einen naturnahen Garten und konnte innerhalb der letzten Jahre einen beträchtlichen Pflanzen- und Tierreichtum auf ihrer Fläche entdecken. Frank Hesse und seine Frau sind von dieser Artenvielfalt sehr begeistert und haben innerhalb der letzten vier Jahre bis zu 400 Tierarten dokumentiert. Die Gastfreundschaft und Begeisterung für das Thema und ein anschließender Rundgang über die Grünfläche verdeutlichten ihre Liebe zu Natur und Umwelt. Die Antworten des Ehepaares wurden für das Interview zusammengefasst und inhaltlich gekürzt.

1. Seit wann besitzen Sie einen Kleingarten? Wie sind Sie dazu gekommen, diesen naturnah zu gestalten?
Als Naturliebhaber wollten wir beide wieder einen Garten haben und entschlossen uns im Sommer 2007, dieses Gartengrundstück zu pachten. Da wir in der Nähe wohnen und der Garten mehr oder weniger auf dem Weg zur Arbeit liegt, können wir auch in der Woche hierher kommen, dem Arbeitsstress entkommen und unser Hobby leben. Das Gärtnern hat uns schon immer interessiert und selbst gepflanztes Obst und Gemüse zu ernten und zu essen ist wunderbar. Als wir die Anlage übernommen haben, waren viele Flächen betoniert, wir haben sie wieder urbar gemacht mit dem Ziel, den Garten in einen natürlichen Bauerngarten umzugestalten. Ein naturnaher Garten ist viel lebenswerter und auch Kindern sollte die Liebe zur Natur so früh wie möglich vermittelt werden.

2. Welche besondere Bedeutung haben naturnahe Gärten für die Artenvielfalt?
In vielen Ziergärten wachsen Pflanzen, die für Insekten kaum eine Rolle spielen. Man kann hier Kompromisse finden und einen gezielten Wildwuchs auf bestimmten Flächen zulassen. Somit wird ein zusätzlicher Lebensraum für viele Insekten und andere Tiere geschaffen. Seitdem wir unseren Garten naturnah herrichten, beobachten wir jedes Jahr mehr Tierarten. Fotografien der letzten vier Jahren zeigen diese gesteigerte Artenvielfalt. Wildpflanzen sind dabei generell für die Artenvielfalt wichtig.

3. Welche Pflanzen- und Tierarten beobachten Sie in Ihrem Garten?
In unserem Garten haben wir verschiedene Obstbäume, Kräuter- und Blumenbeete, Beerensträucher und Büsche sowie einen kleinen Naturteich. Da wir sehr tierlieb sind, haben wir uns viel angelesen und Informationen gesammelt, was die verschiedenen Tiere mögen. Auf unserer Fläche versuchen wir dieses Wissen weitestgehend umzusetzen. Neben einigen Zierpflanzen lassen wir Wildpflanzen absichtlich wachsen, um das Nahrungsangebot für Insekten und andere Tiere zu ergänzen. Pflanzen wie beispielsweise die Fetthenne, die Indianernessel, der Klee, die Brennnessel und die Kugeldisteln wachsen in unserem Garten, das sind jedoch nur einige von vielen. Unser selbst angelegter Naturteich bietet vielen Amphibien, Käfern und Insekten einen Lebensraum. Zudem sind beispielsweise viele Vögel, Erdkröten, Schnecken und Spinnen ständig zu Besuch.

4. Wie sieht ein herkömmlicher Kleingarten im Vergleich aus?
In einem typischen Kleingarten ist alles schön und ordentlich, das ist allerdings im Sinne des Menschen und nicht im Sinne der Natur. Ziergärten haben saubere schöne Beete, einen regelmäßig gemähten Rasen, alles ist gehackt, geharkt und in Reihe und Ordnung. Viele Pflanzen sehen nur schön aus, bringen den Tieren jedoch kaum etwas. Bei uns ist alles etwas durcheinander, wir mähen nicht jede Woche und lassen Wildpflanzen bewusst wachsen. Für andere sieht es unsauber und unordentlich aus, in Wirklichkeit ist es das aber überhaupt nicht. Für uns ist es auch ordentlich, nur aus einer anderen Sichtweise, das ist der Unterschied.

5. Wie leben Sie als Naturgärtner das Gartenjahr und welche Aufgaben ergeben sich in den unterschiedlichen Jahreszeiten?
Durch die gewollte Naturnähe nimmt man alles in seinem Garten viel intensiver und bewusster wahr. Als Naturgärtner beobachtet man sehr genau, wo was passiert und „lebt viel verständnisvoller mit dem Garten“. Wir kommen mehrmals die Woche hierher und sind vor allem im Sommer sehr oft draußen. Jeden Tag erledigt man kleine Sachen, so ist dann am Wochenende nicht mehr so viel zu tun. Die Aufgaben verteilen sich im Prinzip auf das ganze Jahr. Im Frühjahr gibt es mehr Arbeit. Hier stehen das Herrichten der Beete, die Beschneidung von Pflanzen und das Aussäen an. Im Sommer geht die Ernte los, der im Herbst die Verarbeitung des Obstes folgt. Im Winter belesen wir uns viel für das neue Gartenjahr.

6. Wie pflegen Sie Ihren naturnahen Garten?
Wir versuchen, bestimmte Flächen einfach in Ruhe  zu lassen, verzichten auf alle Spritzmittel, düngen soweit es geht mit Kompost, mulchen viel mit Pflanzenresten und versuchen, den Rasen nicht laufend zu mähen. Es fällt vergleichsweise weniger Arbeit an, da man mehr toleriert und akzeptiert.

Kleingarten


7. Schreibt der Kleingartenvorstand Regelungen vor, die für einen naturnahen Garten problematisch sind?

Der Vorstand des Kleingartenvereins hat darauf zu achten, dass die Inhalte des Kleingartengesetzes eingehalten werden. Das heißt, dass beispielsweise bestimmte Beete angelegt und bestimmte Pflanzenarten nicht gepflanzt werden. Der Garten muss kleingartengerecht gestaltet werden und darf nicht zu verwildert aussehen. Eine naturnahe Gestaltung wird vom Vorstand grundsätzlich akzeptiert. Wir können zwar nicht zu 100 Prozent machen, was wir wollen, fühlen uns aber nicht zwingend eingeschränkt. Ein Gartencharakter muss existieren, aber das wollen wir ja auch.

8. Wie reagieren umliegende Parzellenbesitzer auf die naturnahe Gestaltung Ihres Gartens?
Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Nachbarn sind Abstimmungen nötig. Das Verhältnis zu den meisten Nachbarn ist aber relativ gut und freundlich und der Aspekt, dass wir eher naturnah kleingärtnern, relativ unproblematisch. Es ist zwar nicht immer einfach, aber mit Kompromissen muss man leben.

9. Was raten Sie Gärtnern, die einen naturnahen Garten anlegen möchten? Welche Literatur bzw. Informationshilfsmittel empfehlen Sie?
Wer sich dafür interessiert, muss viel beobachten, lesen, hinhören, hinschauen und Erfahrungen sammeln. Unsere Arbeit stützt sich auf ein  Sammelsurium aus eigenen Erfahrungen, verschiedensten Zeitungsartikeln und Naturberichten im Fernsehen. Überall ergeben sich Hinweise zur naturnahen Gartengestaltung, die sich über die Jahre ansammeln. Es ist jedoch wichtig, dass man es wirklich will, und dann findet sich immer ein Weg. Gartenliteratur gibt es en masse, man muss sich nur das, was für seinen Zweck und für seinen Garten geeignet ist, suchen.

Das Interview wird mit einem Rundgang durch den Garten beendet. Viele Obstbäume, bunt angelegte Blumen- und Kräuterbeete, Flächen für diverse Wildpflanzen, ein Naturteich, viele Nist- und Rückzugsmöglichkeiten für Tiere, wie ein Insektenhotel, Totholzstämme und Schnittgehölz gibt es im Garten von Frau und Herrn Hesse. Der ökologische Wert naturnaher Gärten ist enorm, bietet er doch inmitten eines urbanen Siedlungsgebietes einer Vielzahl von Lebewesen Nahrung.

Vielen Dank für das Interview!
Johanna Sabeh, Umweltbüro Lichtenberg

 

Für interessierte Gärtner empfehlen wir: Marie-Luise Kreuter, Der Biogarten (BLV Buchverlag, ISBN: 978-3835409064).

Weitere Literatur können Sie der folgenden Internetseite entnehmen: www.garten-literatur.de/Blattwerk/biogarten.de.

 

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Beiträge auch in unserem Onlinemagazin „UmweltBewusst“ unter:

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