Umweltbüro Lichtenberg

Woher kommt unser Papier?

Papier ist so variantenreich wie seine Verwendungsmöglichkeiten. Ist Ihnen bewusst, wie oft wir Papier zwischen unseren Fingern haben? Noch immer wird allzu häufig gedankenlos Papier verschwendet. Beim Aufklappen der Zeitung fallen Werbebeilagen heraus, die meist sofort wieder im Altpapier landen. In vielen Büros werden in unzähligen Schleifen Dokumente ausgedruckt, verändert und wieder neu ausgedruckt. Natürlich gibt es auch die nützlichen Dinge aus Papier, wie Taschentücher und Küchenpapier. Doch in den Ländern, aus denen das Holz dafür stammt, werden noch immer Urwälder gerodet. Dabei gehen Lebensräume von Menschen, Tieren und Pflanzen unwiederbringlich verloren.

Deutschland gehört zusammen mit der Schweiz, Österreich und Liechtenstein weltweit zu den Topverbrauchern an Papier. Über 200 Kilogramm Papier werden hierzulande pro Kopf und Jahr verbraucht. Das ist enorm, zum Vergleich, hätte China den gleichen Verbrauch, würde das die gesamte Weltproduktion an Papier in Anspruch nehmen. Solche Zahlen zeigen, wie ungleich die Verteilung ist. Während 64 Prozent der globalen Bevölkerung durchschnittlich nur etwa 20 Kilogramm Papier pro Jahr zur Verfügung stehen, verbrauchen 14 Prozent der Weltbevölkerung mehr als 125 Kilogramm im Jahr.

 

90 Prozent unseres Papiers ist von kurzer Lebensdauer. Fast die Hälfte des Verbrauches in Deutschland machen Büro-, Druck- und Pressepapiere aus. Bei solchen Zahlen kann die einzige Konsequenz sein, den Verbrauch zu drosseln. Denn ein bewusster Umgang mit Papier ist gleichzeitig aktiver Wald- und Klimaschutz. Jeder fünfte Baum der weltweit gefällt wird, landet in der Papierherstellung. Betrachtet man nur das industriell genutzte Holz ist es sogar fast die Hälfte. Schätzungsweise 20 Prozent davon stammen aus Urwäldern. In Europa ist dessen Anteil zwar niedriger als beispielsweise in Asien, wo viel Holz aus Indonesien oder Russland verwendet wird. Doch die Verknappung von Holz in der einen Region, etwa durch die großen Mengen, die wir aus Skandinavien beziehen, bedeutet, dass sich der Druck auf andere Wälder beispielsweise in Südostasien oder Lateinamerika verlagert. In Deutschland verbraucht fast jede:r von uns 1,5 Kilogramm Holz in Form von Papier pro Tag. Durch einen durchschnittlichen Anteil von 50 Prozent Recyclinganteil halbiert sich die Menge an Frischholzfasern. Es sind aber immer noch 750 Gramm.

 

Doch woher stammt das Holz für unser Papier?

 

Deutschland importiert rund 80 Prozent des Zellstoffs für die Papierproduktion. Aufgrund seines hohen Verbrauchs zählt Deutschland weltweit zu den wichtigsten Importländern von Zellstoff und ist somit auch unmittelbar für die Auswirkungen in den Herkunftsländern verantwortlich. Der größte Teil der importierten Holzfasern stammt von der Nordhalbkugel. Hauptexportländer sind Schweden und Finnland, sie stellen rund ein Drittel des benötigten Zellstoffs her. In beiden Ländern wird der Wald hoch effizient und naturfern bewirtschaftet. Zudem gelangen über Finnland Faserrohstoffe aus den Urwäldern Russlands zu uns. Finnland ist nach China der zweitwichtigste Importeur russischen Holzes. Weitere fünf Prozent des importierten Zellstoffs stammen aus Kanada. Auch hier wird nicht vor ursprünglichen Wäldern und Lebensräumen indigener Völker Halt gemacht. Riesige, uralte Bäume werden für die Papierherstellung gefällt. Fast ein Viertel der Menge an Zellstoff bezieht Deutschland aus Brasilien und zunehmend auch aus anderen südamerikanischen Ländern, in denen der Urwald unaufhörlich zerstört wird und zum Teil schon ganz verloren gegangen ist.

 

Jährlich werden weltweit rund 13 Millionen Hektar Wald zerstört – die Fläche ist etwa dreimal so groß wie die Schweiz. 4 Millionen Hektar davon sind Urwälder. Insgesamt existieren weltweit noch 4 Milliarden Hektar Wald, zur Hälfte handelt es sich um bewirtschaftete Wälder, zu über einem Drittel um Urwälder.1

 

Zwar spielen Holzfasern aus indonesischen Urwäldern noch keine direkte Rolle in der deutschen Papierindustrie, über globale Handelswege erreichen uns aber Fertigprodukte, die Papier aus Indonesien enthalten können. Denn über ein Drittel deutscher Bücher werden in China gedruckt und China ist der weltweit größte Importeur indonesischen Zellstoffs. Dort ist die Waldzerstörungsrate am höchsten. Das hat zur Folge, dass zahlreiche Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind, weil die Abholzung nicht verhindert wird. Etwa zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten leben in Wäldern. Wälder sind komplexe Ökosysteme, die über einen langen Zeitraum entstanden sind. Sie stabilisieren das Erdklima, binden CO2 und setzen Sauerstoff frei, filtern Schadstoffe aus der Luft und regulieren den Wasserhaushalt.

 

Papierrecycling – die Lösung?

 

Die Herstellung von Papier belastet die Umwelt stark. Sie benötigt viel Holz, Energie und Wasser und kann zur Einleitung gefährlicher Chemikalien in Gewässer führen. Durch den Einsatz von Altpapier und beste verfügbare Techniken bei der Produktion von neuem Papier können diese Umweltbelastungen stark reduziert werden. Das Herauslösen der einzelnen Fasern aus dem Holz ist der aufwändigste, energie- und wasserintensivste Schritt der Papierherstellung. Liegen die Fasern einmal vor, können sie dank Recycling bis zu sechsmal wiederverwendet werden. Darin besteht, nach der Papiereinsparung, der wichtigste Beitrag, um den Holzverbrauch zu senken und den Druck auf den Wald zu reduzieren.

 

Bei der Papierherstellung aus Altpapier werden im Vergleich zur Herstellung von Frischfaserpapieren Ressourcen geschont sowie weniger Abwasser, Wasser und Energie verbraucht. Recyclingpapiere mit dem Umweltzeichen Blauer Engel garantieren, dass diese aus 100 Prozent Altpapier bestehen. Bei der Herstellung von Papier mit dem Blauen Engel sind zudem der Einsatz von Chlor, optischen Aufhellern oder halogenierten Bleichmitteln verboten. Für fast jedes Papier unseres täglichen Bedarfs gibt es ein passendes Recyclingpapier. Ob für Drucker oder Kopierer, für Klopapier oder Küchenrolle, ob weiß oder bunt: Recyclingpapier kann fast überall bedenkenlos eingesetzt werden.

Produktkennzeichnungen wie FSC- oder PEFC-Label oder die Bezeichnung „Chlorfrei gebleicht“ sind bei Papierprodukten aus Umweltsicht weniger hilfreich. Chlorfrei gebleicht bedeutet, dass kein Altpapier enthalten ist und trifft keine Aussage über die Art der Waldbewirtschaftung. Es macht lediglich Aussagen über den Chemikalieneinsatz bei der Bleichung. FSC und PEFC- Label sind Label für nachhaltige Waldbewirtschaftung. Am Markt findet man überwiegend FSC Mix-Papiere. Mix besagt, dass mindestens 70 Prozent der Fasern aus FSC-Holz und/oder Altpapier stammen. Meistens handelt es sich um reine Frischfaserpapiere. Zwar gibt es auch einige Papiere mit dem FSC-Recycling-Siegel. Doch diese erfüllen nicht die strengen Anforderungen des Blauen Engels, beispielsweise zum Mindestanteil niedriger Altpapiersorten, an den Energie- und Wasserverbrauch oder an den Einsatz von Chemikalien bei der Produktion. Papiere mit dem Blauen Engel sind ausgezeichnet und empfehlenswert.

Der Verbrauch von recycelten Papieren in Deutschland steigt stetig. Das bedeutet, der Verbrauch übersteigt die Menge an vorhandenem Recyclingfasern. Das führt dazu, dass Deutschland schon seit einigen Jahren Altpapier aus dem europäischen Ausland importiert. In den letzten Jahren reichten auch diese Mengen nicht mehr aus und so wurde Altpapier zum Recycling aus Übersee und Asien eingeführt. Dabei entstehen immense CO2 Ausstöße und auch die enthaltenen Schadstoffe sind fragwürdig. Denn in Asien gelten andere Grenzwerte für Quecksilber, Mineralöle und andere Schadstoffe.

Doch trotz alledem hat Recyclingpapier einen entscheidenden Vorteil gegenüber Papier aus Frischfasern: Den Schutz des Urwaldes. Wird Altpapier zu neuen Papier aufbereitet, bleibt das Holz im Wald. Die Energie- und Wassereinsparungen gegenüber Frischfaserpapier liegt bei 60 bis 70 Prozent. Durchschnittlich kann gesagt werden, dass die Herstellung von einem Kilo Recyclingpapier 15 Liter Wasser und 1,2 Kilogramm Altpapier benötigt. Dem gegenüber steht der Verbrauch von 50 Liter und 2,2 Kilogramm Holz für ein Kilogramm Papier aus Holzfrischfasern. Wer also ein Paket Recyclingpapier mit 500 Blatt kauft, spart dabei 5,5 Kilogramm Holz. Die Herstellung von einer Tonne Primärfaserpapier benötigt in etwa so viel Energie wie die Herstellung einer Tonne Stahl.

 

Ob zuhause, im Büro oder in der Schule, der Einsatz für Natur und Umwelt lohnt sich. Um erfolgreich zu recyceln ist eine möglichst sortenreine Papiersammlung Voraussetzung. Eine Übersicht, was im Altpapier entsorgt werden darf und was nicht haben wir hier zusammengestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Was darf ins Altpapier?

-       Büropapiere, Zeitungen und Zeitschriften, Bücher ohne Umschlag

-       saubere Papierverpackungen

-     Kartons: Bitte nur zusammenfalten, nicht zerkleinern, da sie im Stück aussortiert werden und in die                                               Verpackungspapierproduktion gehen. Zur Herstellung heller Büro- und Druckpapiere sind die ungebleichten braunen Fasern ungeeignet.

-       Wellpappe, Papprohre

-       Bastelpapier

-       Selbstdurchschreibepapier in geringen Mengen

 

Was gehört nicht ins Altpapier?

-       Verbundmaterialien (Getränkekartons)

-       beschichtete Papiere (der Reißtest zeigt es)

-       Abzugstreifen von Selbstklebe-Etiketten

-       verschmutztes oder fettiges Papier, Butterbrotpapier

-       Hygienepapiere (Servietten, Küchenrollen, Papiertaschentücher)

-       nassfeste Papiere (Plakate für den Außenbereich)

-       Kohlepapier, Thermopapier (Kassenzettel, Fahrkarten)

-       Papiere mit Gold- oder Silberfarbe (Verpackungen für Zigarettenstangen)

-       Papiere mit Kleber, der sich nicht durch Wasser lösen lässt (Post-it, Adressetiketten, Selbstklebeverschluss bei Kuverts)

 

 

1 FAO Global Forest Ressources Assessment 2010

 

Impressum

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13057 Berlin
Tel:  030-92 90 18 66


Beiträge auch in unserem Onlinemagazin „UmweltBewusst“ unter:

www.umweltbuero-lichtenberg.de/umweltbewusst.html


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Doreen Hantuschke
Julia Bensch
Christin Klieme

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Das Umweltbüro Lichtenberg wird gefördert durch das Bezirksamt Lichtenberg.


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