Umweltbüro Lichtenberg

Das wirft kein gutes Licht - Lichtverschmutzung und die Pflanzenwelt

Denn auch die Tierwelt schläft nicht. Mehr als 60 % der wirbellosen Tiere wie z. B. Insekten sind nachtaktiv, unter den Wirbeltieren sind etwa ein Drittel der Tiere bei Dunkelheit unterwegs. Diese Tiere benötigen keine künstlichen Lichtquellen. Sie haben ausgeprägte Geruchs-, Hör- oder Tastsinne (oder einfach nur große Augen), die es ihnen ermöglichen sich auch in finsterster Nacht zu bewegen. Die Sinnesorgane dieser Tiere haben sich im Laufe der Evolution an die Dunkelheit angepasst. Für die meisten Tiere bietet sie einen Schutz vor Räubern und Fressfeinden. Wer nicht gesehen wird kann auch nicht bei der Partnersuche gefressen werden. Es gibt aber auch hoch spezialisierte Raubtiere wie Fledermäuse, die sogar ein eigenes Ultraschall an Bord haben, mit dem sie nicht nur navigieren, sondern auch winzig kleine nachtaktive Insekten als Beute ausmachen können. Aber auch die vielen Tiere, die die Nacht zum Schlafen nutzen sind auf die Dunkelheit angewiesen. Es schläft sich viel entspannter auf einem Dach wenn man weiß, dass kein Greifvogel plötzlich angeflogen kommt. Sogar Pflanzen legen bei Nacht eine Pause von der Photosynthese ein und regenerieren ihre Sauerstoffvorräte.

 

Wird die Nacht nun durch ständiges Licht zum Tage gemacht, dann bringt das viele Prozesse in der Natur durcheinander und kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Neben der Zerstörung der Lebensräume in der Landschaft und den Einsatz von Pestiziden ist die Lichtverschmutzung eine der bedeutendsten Ursachen für das Insektensterben. Die ständige Helligkeit stört die Orientierung der nachtaktiven Insekten. Sie werden von den Lichtquellen angezogen und legen auch große Entfernungen zurück um sie zu erreichen. Dort angekommen flattern sie dann orientierungslos herum. Die Paarung kann dadurch schwer eingeschränkt werden und auch wenn sie erfolgreich ist befinden sich die spezialisierten Tierchen dann nicht unbedingt in der Nähe der Pflanzen und Strukturen an denen sie bevorzugt die befruchteten Eier ablegen wollen. Das Licht, das ihnen den Weg zurück weisen würde gibt es leider nicht. Bei vielen Falterarten hängt aber der Fortpflanzungserfolg in hohem Maße davon ab, die Eier an die richtigen Futterpflanzen für die zu schlüpfenden Raupen zu legen. Auch sind Gelege so an den Ablageort angepasst, dass sie gut getarnt sind und nur schwer von Eiräubern gefunden werden können.

 

Einige Arten können aber auch von der großen Anziehungskraft der Lichter in der Nacht profitieren. Spinnen weben ihre Netze bevorzugt an Laternen und anderen Lichtquellen, die zuverlässig die Beute anlocken. An machen Lampen finden sich sehr viele der ansonsten einzelgängerisch lebenden Achtbeiner. Es wird anscheinend genug Futter für alle angezogen. Auch manche Zwergfledermausarten haben gelernt mit dem Licht zu leben und wurden dabei beobachtet, dass sie bevorzugt in der Nähe von Straßenlaternen oder auch beleuchteten Güterbahnhöfen jagen. Was gut für diese Fledermäuse und Spinnen zu sein scheint, ist aber leider sehr zum Nachteil der gejagten und verspeisten Insekten. Das Licht verändert die Spielregeln von Jäger und Gejagten und stört das ohnehin schon fragile Gleichgewicht zwischen Räuber- und Beutepopulationen. Im Übrigen bevorzugen viele andere Fledermäuse wie z. B. die Mausohrfledermäuse die Dunkelheit. Sie jagen gerne in der Nähe dunkler Baumkronen. In beleuchteten Parks (wie z. B. durch die Laternen der anliegenden Straßen) ziehen sie sich auf die (nächtliche) Schattenseite von Bäumen zurück. Ihr Jagdgebiet wird durch die Laternen eingeschränkt.

 

Intensives und ständiges Licht kann auch den Bio-Rhythmus von Bäumen stören. Laubbäume müssen wissen wann der Frühling kommt und sie die Blätter austreiben können und wann der Herbst kommt. Bevor im Herbst die Blätter fallen muss sich der Baum Reservestoffe sichern. Der gespeicherte Zucker dient nicht nur als Nährstoff, er schützt die lebenden Pflanzenzellen vor dem Frost. Den Jahresverlauf erkennen Bäume über Temperatur- und Lichtreize. Sie können wahrnehmen wie lange es hell und wie lange es dunkel ist. Nehmen die hellen Phasen zu (und steigt die Temperatur) wissen sie, dass es Frühling ist, werden die hellen Phasen bei sinkender Temperatur kürzer, dann wird es Herbst und der Winter naht. Wenn belaubte Bäume nun direkt mit Scheinwerfern angestrahlt werden oder intensivem Dauerlicht - bspw. durch um den Stamm gewundene Lichterketten ausgesetzt sind - dann verpassen sie den Herbst, lagern keine Reservestoffe ein und werden anfälliger gegen Frost. Auch können sie bis zu eine Woche früher austreiben. Nicht alle Baumarten sind gleichermaßen anfällig dafür. Die Forschung dazu steht noch an ihrem Anfang.

 

Angesichts dieser ganzen Probleme für die Natur und die nicht menschlichen Lebewesen muss die nächtliche Beleuchtung reduziert werden. Aber es müssen jetzt nicht gleich alle Lichter ausgehen. Unsere Gesellschaft ist viel zu sehr auf das Licht in der Nacht angewiesen, ein Leben in Dunkelheit scheint nur schwer vorstellbar und ist auf gar keinen Fall quasi über Nacht umsetzbar. Wir müssen aber kritisch hinterfragen welche Beleuchtung wann und wo notwendig ist. Auch lässt sich mit einfachen technischen Tricks schon an vielen Stellen Abhilfe schaffen.

 

Es fängt damit an, dass wir das Licht nur dorthin scheinen lassen, wo wir Menschen es auch brauchen. Um uns orientieren zu können reicht es, wenn das Licht auf den Boden vor uns fällt. Eine Lampe, die in den Himmel strahlt vermag schön auszusehen, hilft uns aber nur bedingt dabei den Weg zu finden. Ein einfacher Lampenschirm kann die Abstrahlung nach oben abschirmen. Jede Lampe mit Schirm trägt dazu bei, dass die Lichtkuppel über uns weniger hell strahlt. Das gilt nicht nur für Straßenbeleuchtung, sondern auch für Gebäude und Sehenswürdigkeiten. Diese sollten nicht durch Bodenstrahler von unten nach oben, oder von der Seite angeleuchtet werden. Es wäre auch schon ein großer Fortschritt, wenn die Festbeleuchtung nur zu besonderen Anlässen und zu bestimmten (Nacht-)Zeiten, die auch die Lebensweise von Insekten berücksichtigt angeschaltet wird. Anstatt weniger aber großer und heller Strahler sollten lieber mehrere kleinere Lichtquellen verwendet werden. Diese strahlen nicht so viel Licht in die Tiefe der Nacht ab.

 

Nicht überall lässt sich Licht einfach weglassen. Die Beleuchtung von Wegen und Straßen sind wichtig für unser Sicherheitsempfinden. Es ist aber möglich diese Wegebeleuchtung stark zu dimmen und so das Licht während der Nacht erheblich zu reduzieren. Bewegungssensoren könne die Beleuchtung dann heller stellen wenn jemand unter den Lampen durchgeht. Dabei muss aber darauf geachtet werden, dass das plötzlich heller werdende Licht niemanden blendet. Auch müssen dabei die unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Fahrradfahrer:innen und Fußgänger:innen berücksichtigt werden.

 

Neben diesen Ansätzen die Lichtmenge als solche zu begrenzen, kann aber auch das verwendete Licht so verändert werden, dass es weniger starke Auswirkungen auf die Insektenwelt hat. Weißes Licht ist nicht nur einfach weiß, sondern besteht aus einem ganzen Spektrum an Frequenzen. Viele Insekten werden insbesondere von dem Blauanteil im Licht angezogen. Es gibt Leuchtmittel, die diese blauen Spektren gar nicht oder weniger stark emittieren und somit auch nicht so eine große Anziehungskraft auf Insekten haben. Um die Insekten vor der starken Anziehungskraft zu schützen, sollte die Farbtemperatur unter 2.700 Kelvin liegen. Ein bernsteinfarbenes Licht mit einer Farbtemperatur zwischen 1.700 und 2.200 Kelvin wäre noch besser.

 

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