Umweltbüro Lichtenberg

Kork als genialer Naturstoff – Sammeln unbedingt erwünscht!

Als Verbraucher können Sie hier tatkräftig mithelfen, Kork zu sammeln und so ohne großen Aufwand einen Beitrag zum Klima- und Artenschutz leisten. Außerdem unterstützen Sie die Arbeit von Menschen mit Beeinträchtigungen, die häufig im Kork-Recycling tätig sind.

Seit Oktober 2020 können Sie ihre Korken, d. h. Flaschenkorken aus Naturkork ohne Verpackungsreste, im Naturhofladen auf dem Naturhof Berlin-Malchow abgeben und auf diesem Wege die NABU-Korkkampagne unterstützen. Der Naturhof Malchow fungiert als Nebensammelstelle, die die Korken ausschließlich sammelt. Anschließend übergeben wir sie der NABU-Hauptsammelstelle in der Berliner Charitéstraße. In den Hamburger Winterhuder Werkstätten für behinderte Menschen werden sie als umweltfreundlicher Baustoff zu Dämmgranulat recycelt. Der Naturstoff wird damit nicht unnötig verbrannt, im Gegenteil, Häuser profitieren von seinen vielseitigen Dämmeigenschaften und CO2 wird langfristig eingespart. Die Einnahmen für die verkauften Baukorkstoffe kommen auch dem Kranichschutz in Deutschland und in Spanien zu Gute, wo der NABU mit der spanischen BirdLife-Partnerorganisation SEO zusammenarbeitet. In diesem Rahmen wird der Schutz von Kranichbrutplätzen an der mittleren Elbe und Überwinterungsgebiete in lichten Steineichen- und Korkwälder, wie der Extremadura unterstützt. Wir freuen uns sehr, mit dieser Aktion den Schutz dieser sehr wertvollen Biotope unterstützen zu können – Jeder Korken zählt!

Kontakt zur neuen Korknebensammelstelle in Berlin-Lichtenberg:

Malchower NaturHofladen

Dorfstraße 35

13051 Berlin

Tel.: 030/92 78 058

Mailadresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!">Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Das Wissen über den Korkstoff als genialer Naturstoff reicht weit zurück. Der griechische Philosoph und Naturwissenschaftler Theophrastus von Eressus (371-286 v.Chr.) war ein Mitbegründer der Botanik und Biologie als Wissenschaft und als solcher widmete er sich unter anderem dem Studium zu Eichenarten und ihren Gallenbildungen. Er benannte und beschrieb auch als einer der ersten die in Griechenland eher spärlich vorkommende Kork-Eiche (Thanos 2005). In der Antike war der Begriff Kork bereits eine gängige Bezeichnung und seine Verwendung üblich (Bugalho et al. 2011). Auch der römische Dichter Virgil (70–19 v.Chr.) erwähnte, dass Soldaten aus dem alten Rom Kork als Kopfbedeckung nutzten (Bugalho et al. 2011). Portugal exportierte Kork schon im Mittelalter in andere europäische Länder (Aronson et al. 2009) und ist heute der führende Korkproduzent. Kennen Sie die Korkmodelle von Carl May (1747-1822)? Er baute zum Beispiel deutsche Ruinen aus Kork nach, wie das Heidelberger Schloss (1816-1829) und das Kloster Paulinzella. Das Schloss wurde unglücklicherweise 1944 zerstört (Valentin Kockel). Weitere spannende Infos zur Korkgeschichte können Sie in der Literatur von Gerhard Kaldewei „Kork. Geschichte, Architektur, Design“ und auf http://kork.design/alles-ueber-kork/geschichte/ finden.

 

Die mediterrane Korkeichen-Savanne im Südwesten Europas und Nordwest-Afrika umfasst ca. 2,4 Millionen Hektar (Pereira 2007). Sie hat einen hohen Stellenwert aus ökologischer Sicht, da sie eine hohe Biodiversität aufweist: Überdurchschnittlich viele Schmetterlings- und Sperlingsvogelarten, der Mönchsgeier, der spanische Kaiseradler und der Iberische Luchs sind beispielsweise auf der iberischen Halbinsel in diesem halboffenen Ökosystem aus Baum-Gras-Busch-Landschaft anzutreffen. Die Eicheln der Korkeichen nähren 70.000 Kraniche, sechs Millionen Ringeltauben und viele weitere Arten, die in diesen Gebieten überwintern oder dorthin migrieren. Die Korkeiche mit dem wissenschaftlichen Namen Quercus suber ist mit ihrem potentiellen Alter von 200 Jahren kein langlebiger aber immergrüner Baum.

 

Die äußere Korkschicht bei der Korkeiche ist ein sekundäres Abschlussgewebe, welches vom Korkkambium (Phellogen) gebildet wird. Viele Pflanzen bilden diese Korkschicht aus, allerdings nur sehr dünn. Bei der Korkeiche wird jedes Jahr ein neuer Korkring aufgebaut und diese Schicht kann nach vielen Jahren mehrere Zentimeter dick sein. Die Korkzellen besitzen eine wasserundurchlässige Suberin-Auflagerung. Sterben die Zellen, füllen sich die Hohlräume mit Luft. Die Regeneration der Außenrinde ist außergewöhnlich und ist eine evolutionäre Entwicklung im Zuge der periodisch wiederkehrenden Feuer in diesen Regionen. Der Kork wird ohne Baumfällung extrahiert. Die erste Ernte kann nach in einem Baumalter von 30 Jahren beginnen, die Folgeernten finden in neun bis zwölf Jahresintervallen statt, dann ist die neue Schicht ca. 30 Millimeter gewachsen.

Rund 300.000 Tonnen Kork werden jährlich im westlichen Mittelmeer geerntet. Siebzig Prozent davon gehen in die Korkproduktion. Weltweit ist Kork mit einem jährlichen Exportwert von 329 Millionen US-Dollar das sechst wichtigste „Nicht-Holz-Produkt“ aus Wäldern und die verarbeiteten bzw. veredelten Korkprodukte generieren ein jährliches Einkommen von zwei Milliarden US-Dollar (Bugalho et al. 2011; Berrahmouni et al. 2007).

Laut Statistischem Bundesamt (2008) werden jährlich 900 bis 1.400 Tonnen Rohkork und 10.000 bis 40.000 Tonnen Korkprodukte in Deutschland importiert. Der nachwachsende Rohstoff ist recyclebar und biologisch abbaubar, deshalb viel zu wertvoll, um ihn mit dem Hausmüll zu verbrennen.

Kork ist ein Multitalent, denn vielseitig sind seine bauphysikalischen Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten: Er ist schwer entflammbar, wärme-, kälte- und schalldämmend und als Vermengungsmaterial für andere Baustoffe geeignet. Kork schwimmt und ist elastisch, leicht, gleichzeitig robust und alterungsbeständig. Zudem antistatisch, komprimier- und ausdehnbar. Heute reicht die Palette der Anwendung von Linoleum, Korkment (Mischung aus Korkschrot und Bindemittel womit Dämmunterlagen hergestellt werden), Korkparkett, Korktapeten bis hin zur Hitzedämmung für die Außentreibstofftanks der NASA. Selbst im Mode- und veganen Fashionbereich wird Kork pfiffig eingesetzt. Voraussetzung ist, man gibt ihm die Chance, so weit zu kommen.

 

 

Bezugsquellen:

Aronson J, Pereira JS, and Pausas JG. 2009. Introduction. In: Aronson J, Pereira JS and Pausas JG (Eds). Cork oak woodlands on the edge. Washington, DC: Island Press

Berrahmouni N, Escuté X, Regato P et al. 2007. Beyond cork—a wealth of resources for people and nature. WWF Mediterranean, Rome, Italy

Bugalho MN, C Caldeira MC,Pereira JS,Aronson J, Pausas JG. 2011. Mediterranean cork oak savannas require human use to sustain biodiversity and ecosystem services. Frontiers in Ecology and the Environment Volume 9, Issue 5

Gerhard Kaldewei (Hrsg.): Kork. Geschichte, Architektur, Design 1750–2002. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2002, ISBN 3-7757-1225-9

Pereira H. 2007. The Cork oak. In: Pereira H (ed) Cork: biology, production and uses. Elsevier, Amsterdam, The Netherlands

Thanos CA. 2005. Theophrastus on Oaks Abstract: Theophrastus on Oaks. Bot. Chron. 18(1): 29-36. Department of Botany, University of Athens, Panepistimiopolis, Athens 15784, Greece

Valentin Kockel. Das Heidelberger Schloß. Ein Korkmodell von Carl und Georg May, angefertigt 1816-1 829, zerstört 1944 (Originalveröffentlichung in: W. Helmberger – V. Kockel (Bearb.), Rom über die Alpen tragen. Fürsten sammeln antike Architektur: Die Aschaffenburger Korkmodelle. Landshut/Ergolding 1993, S. 91-97)

https://www.biologie-seite.de/Biologie/Kork

https://studienart.gko.uni-leipzig.de/antike-gegenwart/kork-vielseitig-und-nachhaltig/

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