Umweltbüro Lichtenberg

Ökosaatgut versus Genschere

Durch die Klimaveränderungen müssen wir in Berlin und Brandenburg zukünftig häufiger mit Wetterextremen rechnen, schon der Sommer 2018 war eine Herausforderung für die Landwirte unserer Region. Notfallhilfen verhinderten den Konkurs nicht weniger Landwirte, doch ist das die Zukunft?

 

Der Ruf nach resistenteren Kulturpflanzensorten wird lauter, nach Sorten die mit den zu erwartenden schwierigen Wetterverhältnissen auskommen und trotzdem einen guten Ertrag liefern. Konventionell arbeitende Landwirte denken hier an gentechnisch veränderte Pflanzen, aktuell heiß diskutiert wird die Genschere, mit der die moderne Gentechnik arbeitet.

Genscheren funktionieren wie eine Art Immunsystem in der Pflanze, die Angriffe von Viren erkennen können. Eine Vielzahl ungeplanter Mutationen verhindert die bisherige Einführung marktfähiger Pflanzen, die mittels Genschere verändert wurden. Eine große Anzahl von Forschern und Entwicklern arbeitet an der Problemlösung, erste große Agrarkonzerne versuchen Genehmigungen für Freifeldversuche zu bekommen.

 

In Europa werden in immer weniger Ländern gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, hierfür fehlt einfach die Akzeptanz in der Bevölkerung. Von sieben Ländern im Jahr 2007 sank die Anzahl auf vier im Jahr 2016. Dabei hat sich die Anbaufläche von knapp 90.000 Hektar auf 136.000 Hektar erhöht. Spitzenreiter sind Spanien (129.000 Hektar) und Portugal (7.000 Hektar), in Tschechien (75 Hektar) und der Slowakei (140 Hektar) sind nur sehr kleine Anbauflächen zu finden. In Deutschland findet seit 2009 kein kommerzieller Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen mehr statt. Weltweit werden aber auf einer Fläche von 185 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Nutzpflanzen angebaut! Zum Vergleich: Die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche in Deutschland beträgt 18 Millionen Hektar.

 

Problematisch in der „modernen“ Landwirtschaft sind Abhängigkeiten, in die Landwirte gedrängt werden. Saatgutriesen, deren drei größte mehr als zwei Drittel des Marktes beherrschen, profitieren von der zwingenden Verbindung von Saatgut, Kunstdünger und so genannten Pflanzenschutzmitteln wie Herbiziden, Insektiziden und Rodentiziden. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bei der Verwendung von gentechnisch verändertem Saatgut steigt. Gibt es da nicht vielleicht eine andere Möglichkeit den Wetterextremen zu begegnen?

 

In früheren Zeiten der Landwirtschaft lag das Züchten von Saatgut noch in den Händen regionaler Bauern. Das Saatgut wurde über mehrere Generationen gezielt an die lokalen Gegebenheiten vor Ort angepasst. Dadurch entstand eine Vielzahl von Sorten mit guten Widerstandskräften gegenüber widrigen Witterungs­bedingungen.

Heute existieren gerade noch zehn Prozent dieser Sortenfülle. 90 Prozent sind verschwunden, auch aufgrund der finanziellen und politischen Förderung weniger Hybridsorten, die die Fähigkeit zur Fortpflanzung verloren haben. Die Saatgutzucht ist für viele Menschen unbemerkt von der Natur ins Labor gezogen.

 

Ein nachhaltiger Weg aus diesem Engpass ist die Förderung der ökologischen Pflanzenzucht und die damit verbundene Wiederbelebung einer klimatoleranten Vielfalt im Bereich des Saatgutes. Erste Initiativen schließen sich zusammen, um dieses Ziel zu erreichen. Sie als Verbraucher haben wie so oft die Möglichkeit, über ihr Kaufverhalten mitzuentscheiden. Zertifizierte Bio-Lebensmittel werden ohne Nutzung gentechnisch veränderten Saatgutes hergestellt. Vielleicht empfiehlt sich hier doch der extra Weg in den Bio-Laden. Die Natur wird es Ihnen danken!

 

Quellen:

Mahlke, Stefan (Hrsg.): Atlas der Globalisierung, Le Monde diplomatique7taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Berlin, 2019, Seite 26-29

BIO COMPANY, Juni-Kundenmagazin

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