Umweltbüro Lichtenberg

Auf dem falschen Dampfer

Einmal im Leben eine Kreuzfahrt machen“. Für viele steht dieser Vorsatz auf der To-Do-Liste. Serien wie „Das Traumschiff“ zeigen dem Zuschauer die schönen Seiten einer Kreuzfahrt. Die zunehmend erschwinglicheren Preise führen dazu, dass immer mehr Menschen ihren Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff verbringen. Viele sind sich der negativen ökologischen Folgen nicht bewusst. Und nicht nur Auswirkungen auf die Natur und Umwelt entstehen dabei, sondern auch auf uns Menschen.

 

Aber was genau macht Kreuzfahrten ökologisch bedenklich? Vor allem der Ausstoß von Abgasen, der aus Feinstaub, Ruß, Stickoxiden und Schwefeloxiden besteht. In „sauberer Luft“ sind weniger als 2.000 Partikel pro cm3 enthalten. Auf einer stark befahrenen Straße befinden sich ca. 20.000 Feinstaubpartikel pro cm3. An Deck des Kreuzfahrtschiffes sind es 380.000. Durch den Aufenthalt an Deck erhöht sich die Gefahr zu erkranken enorm. Während in der Autoindustrie strenge Vorschriften und Grenzwerte beim Ausstoß von Abgasen vorherrschen, sind diese bei Schiffen noch nicht vorhanden. Während schwefelarmer Autodiesel nur 0,001% Schwefel enthalten darf, liegt der Grenzwert bei Schiffen im Moment bei 3,5%. Ab 2020 sinkt der Grenzwert jedoch von 3,5% auf 0,5%. Schon jetzt gibt es Emissionskontrollgebiete, in denen nur 0,1% Schwefel ausgestoßen werden dürfen. In solchen Gebieten schalten die Schiffe auf Marinediesel um.  Da Marinediesel deutlich teurer ist als Schweröl, nutzen die Reeder aber lieber das Schweröl. Allerdings muss für den ab 2020 geltenden Grenzwert umgerüstet werden.

 

 Auch während der Liegezeiten an Land läuft der Schiffsmotor weiter. Denn Strom wird an Bord trotzdem benötigt, der Betrieb soll ja am Laufen gehalten werden. Eine Alternative wäre die Nutzung von Strom vor Ort. Doch in den meisten Häfen ist dies noch nicht möglich. Und dort wo es möglich ist, ist der Strom vom Land meist teurer als das Schweröl. Daher wird meist auch im Hafen der Schiffsmotor mit Schweröl betrieben.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Abgaswerte zu verringern. Zum einen könnten in die Schornsteine der Schiffe sogenannte „Scrubber“ eingebaut werden. Diese Abgasreinigungstechnik nutzt Wasserdampf, um die Schadstoffe zu filtern. Somit ist es möglich, den Ausstoß von Schwefel um ca. 97% und Ruß und Feinstaub um 80% zu verringern. Damit bewegt sich der Ausstoß im Bereich des Marinediesels. Ob diese Methode wirtschaftlich für die Reeder ist, richtet sich unter anderem danach durch wie viele Schutzgebiete gefahren wird und wie groß der Preisunterschied zwischen Schweröl und Marinediesel ist.

Da diese Technik noch sehr jung ist (erst acht Jahre), existieren noch nicht viele Anbieter. Bisher sind es etwa drei Unternehmen, die jährlich zwischen 45 bis 60 Schiffe umrüsten können. Weltweit sind derzeit ca. 600 Schiffe umgerüstet. 
Beim Neubau von Schiffen müssen seit 2016 die zukünftig geltenden Grenzwerte mit einberechnet werden. D. h. die Schiffe sollten schon mit Techniken gebaut werden, die die Emissionen verringern. Die Kreuzfahrtrangordnung des NABU zeigt aber deutlich, dass diesbezüglich noch nicht viel passiert ist. Selbst die neu gebauten Schiffe besitzen keinen Rußpartikelfilter und fahren immer noch mit Schweröl.

 

Es gibt mehr und mehr Alternativen zum Schweröl. Die wohl derzeitig favorisierte Technik ist die Nutzung von LNG (Liquefied Natural Gas) bzw. Flüssigerdgas. Dieses wird aus Erdgas gewonnen und besteht zum größten Teil aus Methan, nach CO2 ist das das zweitstärkste Treibhausgas. Bei der Verwendung von LNG fällt der Ausstoß von Schwefeloxiden und Ruß weg und es entsteht 30% weniger CO2 als bisher.
Allerdings hat auch die Erdgasförderung (Fracking) viele Nachteile für Mensch und Umwelt. Daher wird eine „Power-to-Gas“-Technik entwickelt, mit der das Flüssigerdgas regenerativ hergestellt wird. Das Prinzip vereinfacht erklärt: Überschüssiger Ökostrom im Stromnetz wird zur Erdgaserzeugung genutzt. Das so erzeugte Erdgas lässt sich im Erdgasnetz problemlos speichern.

 

Wer bei Schiffs- oder Flugreisen ein schlechtes Gewissen aufgrund des erhöhten CO2-Ausstoßes hat, kann auf Seiten wie www.atmosfair.de den CO2-Ausstoß, der durch die Reise entsteht, kompensieren. Dort kann man genau berechnen lassen, wie viel CO2 bei der Reise entsteht und dies mit dem errechneten Geldbetrag ausgleichen. Die Projekte, für die das Geld benutzt wird, werden auf der Seite vorgestellt.

 

Es zeigt sich, dass die Abgasvermeidung in der Schifffahrt bei weitem noch nicht so vorangeschritten ist wie bei der Autoindustrie. Die ab 2020 geltenden Grenzwerte sind ein Schritt in die richtige Richtung, die Schifffahrt sauberer zu gestalten. Somit sind auch die Reedereien gezwungen, sich Alternativen zu überlegen und die Technik voranzutreiben.
Allerdings wird dies nicht von heute auf morgen passieren. Bis 2050 allerdings müssen alle Schiffe komplett CO2-frei unterwegs sein.

 

Quellen:
https://www.erdgas.info/energie/erneuerbares-erdgas/power-to-gas
https://www.aida.de/aida-cruises/nachhaltigkeit/aida-cares-2017/umwelt/innovative-technik.34564.html
https://www.cruisetricks.de/lng-als-treibstoff-fakten-zu-umweltschutz-und-kosten
http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/technik/kein-schweroel-mehr-den-hochseeschiffen-geht-es-an-den-schlot-14515436.html
https://www.nabu.de/news/2017/09/23043.html

 

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