Umweltbüro Lichtenberg

Invasion einer Giftpflanze

In Europa kommen rund 12.000 gebietsfremde Arten vor, meist ist das kein Grund zur Besorgnis. Etwa 10 bis 15 Prozent dieser Pflanzen, Tiere und Pilze wachsen aber invasiv. Zum Schutz der europäischen Artenvielfalt trat am 01. Januar 2015 die EU-Verordnung invasiver gebietsfremder Arten in Kraft. Auf der Unionsliste finden sich nach einer Erweiterung inzwischen 49 Arten, die deutlich negative Auswirkungen auf die heimische Fauna und Flora haben.           

Der Riesen-Bärenklau ist eine dieser invasiven Arten, die auch erhebliche Risiken für die Gesundheit des Menschen bedeuten. Das Doldengewächs ist im Kaukasus beheimatet und wurde um 1890 nach Europa eingeführt. Seine Größe von bis zu vier Metern und die riesigen Blüten machten ihn für die Nutzung in Gärten und Parkanlagen interessant. Wie so oft bei eingeschleppten Arten, fehlte der natürliche Gegenspieler. Der rasante Wuchs, die geringen Lebensraumansprüche und die enorme Menge an Samen (bis zu 10.000 pro Dolde) verdrängen viele Pflanzen in der direkten Umgebung der auch Herkulesstaude genannten Art. Ein Anbau der Pflanze als Bienenweide und das Ausbringen der mit Samen angereicherten Gartenabfälle förderten den Weg in die freie Landschaft.          
Der Riesen-Bärenklau enthält das Gift Furocumarin, das bei Hautkontakt eine allergische Reaktion hervorrufen kann, die von Sonnenlicht verstärkt wird. Demnach: Nur anschauen, nicht anfassen! Für spielende Kinder stellt das Gift eine echte Gefahr dar.           

In Deutschland sind um die 170 Arten bekannt, die negative Auswirkungen auf die Ökosysteme haben. In der EU-Verordnung invasiver gebietsfremder Arten werden Mindeststandards zur Vorbeugung, Früherkennung und zum Monitoring festgelegt. So sollen die  Schäden durch Arten, die auf der Unionsliste benannt sind, verringert werden.  
Im Fokus der Verordnung stehen aber ausschließlich Arten, die durch menschliches Zutun neue Gebiete besiedeln konnten. Nicht die Pflanzen und Tiere, die sich bspw. aufgrund von Umwelt- oder Klimaveränderungen natürlicherweise neue Lebensräume erschlossen haben. 

Die Invasion gebietsfremder Arten hat auch aus finanzieller Sicht negative Auswirkungen. Für Deutschland sind im Jahr 2003 beispielhaft für 20 Neophyten Folgekosten in Höhe von 167 Millionen Euro pro Jahr ermittelt worden. Kosten im Gesundheitswesen wurden ebenso aufgelistet wie Kosten für Pflege- und Bekämpfungsmaßnahmen im Naturschutz, in der Forstwirtschaft und bei anderen Landnutzungsformen. Da inzwischen aber mehr als 60 problematische Arten in Deutschland vorkommen, dürften die realen wirtschaftlichen Schäden weitaus höher einzustufen sein.       

Auch in Berlin-Lichtenberg finden sich Bestände des Riesen-Bärenklaus, der zu den am häufigsten bekämpften Neophyten zählt. Haben sich Bestände etabliert, ist zum Eindämmen ein langer Atem notwendig. Im Naturschutzgebiet Wartenberger und Falkenberger Luch wurden über einen Zeitraum von 10 Jahren die Bestände dezimiert. Hierfür mussten finanzielle Mittel im fünfstelligen Bereich zur Verfügung gestellt werden!           

Die EU-Verordnung verbietet zwar Einfuhr, Zucht, Haltung, Transport, Erwerb, Verwendung, Tausch und Freisetzung der Arten, die auf der Unionsliste zu finden sind. Anhand der Herkulesstaude wird aber eines deutlich: Das Problem ist damit noch lange nicht behoben.      

Die EU-Verordnung finden Sie zum Nachlesen unter folgendem Link: http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32014R1143&from=EN. Die Unionsliste invasiver Tier- und Pflanzenarten (Stand 2017) finden Sie auf der NABU-Internetseite: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/artenschutz/invasive-arten/unionsliste.html.      

Quellen:        
Kowarik, Ingo: Biologische Invasionen: Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa, Stuttgart, 2003
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/artenschutz/invasive-arten/unionsliste.html
http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32014R1143&from=EN

 

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