Umweltbüro Lichtenberg

Wie wollen wir uns in Berlin ernähren?

Obwohl in Berlin der Bedarf an regionalen Bioprodukten stetig steigt und die Nachfrage seit vielen Jahren hoch ist, stagniert die Größe der Ökolandbauflächen in Brandenburg seit Anfang der 2000er Jahre. Biogemüse wird in Brandenburg lediglich auf 355 Hektar angebaut. Das entspricht der Größe des Tempelhofer Feldes. Gründe für dieses Dilemma gibt es viele, die sich gegenseitig beeinflussen und die Entwicklung in Brandenburg hemmen. Willi Lehnert vom Bündnis „Junge Landwirtschaft“ sieht die Verfügbarkeit von Land und die Zugänglichkeit zu Flächen als ein Hauptproblem an. Aufgrund der LPG-Strukturen in der DDR gibt es in Brandenburg viele zusammenhängende und sehr große Ackerflächen. Da auch in unserer Region die Preise für Boden stetig steigen, ist es besonders für Junglandwirte und Existenzgründer schwer, an geeignetes und kleinflächiges Ackerland zu kommen. Großinvestoren kaufen das Land zu überteuerten Preisen auf. Manche sprechen gar vom sogenannten Landgrabbing (zu Deutsch Landraub), das die nicht legitime Landübernahme durch Privatinvestoren und Staaten bezeichnet. In Brandenburg bewirtschaften 6,4 % der Betriebe fast die Hälfte der Landesfläche. Die großen zusammenhängenden Flächen werden dann häufig für den Anbau von Energiepflanzen oder anderen Monokulturen genutzt. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft findet in dieser Agrarlandschaft wenig Platz.  


Ein anderes Problem in Brandenburg stellen die Verarbeitungsbetriebe dar. Wenn zum Beispiel Walnüsse angebaut werden sollen, müssen auch Anlagen vorhanden sein, die die Nüsse knacken. Und auch Abnehmer für die Produkte sind für eine regionale Verarbeitung nötig. Für Walnüsse käme zum Beispiel ein Produzent von vegetarischen Brotaufstrichen in Frage, der die Nüsse verarbeiten kann. Wie regional sind eigentlich Produkte, deren Verarbeitung vor Ort nicht möglich war und die dann an einem anderen Ort verarbeitet werden mussten? Außerdem fehlen Fachkräfte sowie ausgereifte Logistikkonzepte. Damit weitere Verarbeitungsbetriebe entstehen können, müssten Existenzgründer einfacher an Kredite kommen. Auch eine Existenzgründungsprämie für Brandenburger wäre wünschenswert. Willi Lehnert fordert, dass Landwirte zum Ende ihrer Ausbildung 10 Hektar Land für 5 Jahre zur Verfügung gestellt bekommen, um den Start als Landwirt und Unternehmer zu erleichtern.


Um die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln für Berlin zu sichern und auszubauen, hat sich Anfang 2016 der Ernährungsrat Berlin gegründet. Der Zusammenschluss von Vereinen, Initiativen und Privatpersonen setzt sich für einen zukunftsfähigen Wandel des Ernährungssystems in Berlin ein. Im Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Regierung ist der Ernährungsrat als beratendes Organ für die Erarbeitung einer nachhaltigen Berliner Ernährungsstrategie genannt. Im Rahmen der verschiedenen Arbeitsgruppen im Ernährungsrat werden die Hemmnisse der kleinbäuerlichen Strukturen diskutiert und Maßnahmen vorgeschlagen, wie die Versorgung der Berliner mit regionalen Produkten weiter gefördert werden kann. Die AG regionale Landwirtschaft und Verarbeitung zum Beispiel fordert die Schaffung der Stelle eines Koordinators, der sich der Probleme entlang der Wertschöpfungskette annehmen soll. Marktanalysen und das Zusammenbringen von Akteuren wären mögliche Arbeitsbereiche. Eine Aufgabe könnte zum Beispiel sein, die Walnussanbauer mit den Anlagenbetreibern zum Nüsseknacken zu vernetzen und dann auch den Kontakt zu einem Weiterverarbeiter herzustellen. So könnte der Koordinator dazu beitragen, dass regionale Wertschöpfungsketten entstehen, vorhandene Maschinen ausgelastet und Verarbeiter derselben Produkte vernetzt werden.


Langfristig sind Kommunikation und Transparenz wichtige Faktoren, um die Landwirte mit den Verarbeitern in der Region zusammen zu bringen. Informationen müssen gebündelt werden, damit die Akteure vernetzt werden können. Außerdem müssen Bedingungen geschaffen werden, damit neue landwirtschaftliche Betriebe entstehen und auch langfristig bestehen können. Erst dann besteht auch die Möglichkeit, Berlin zu einem größeren Anteil mit regionalen Produkten zu versorgen. Wer Lust hat, sich mit der Lösung von ernährungspolitischen Fragen in Berlin und Brandenburg zu beschäftigen, ist herzlich eingeladen sich beim Ernährungsrat Berlin zu engagieren. Alle weiteren Informationen sind unter: www.ernaehrungsrat-berlin.de zu finden.

 

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